logo_lilaUnser Redebeitrag auf der Veranstaltung der DKP Stuttgart zum Internationalen Frauentag:

Liebe Freund_innen, Liebe Genoss_innen,

Wir bedanken uns für die Gelegenheit, hier für die Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend Tübingen sprechen zu dürfen. Für uns als Kommunist_innen ist der Internationale Frauentag grundsätzlich mit dem Kampf gegen das kapitalistische Herrschaftssystem verbunden. Letztlich ist es der Kapitalismus, der eine Gleichheit von Mann und Frau verhindert, indem er die Frau entweder auf die häuslichen Reproduktionsarbeiten beschränkt oder in die am schlechtesten bezahlten Segmente der Lohnarbeit abdrängt. Hinzu kommen für Frauen und Mädchen in unserer Gesellschaft aber auch besondere Probleme wie Gewalt oder die Abwälzung der gesellschaftlichen Verantwortlichkeit für die Kindererziehung auf die Frau. Weltweit werden bis zu 70% der Frauen im Laufe ihres Lebens Opfer von Gewalttaten.

Entscheidend für die Lebenslage von Frauen und Mädchen ist aber nicht in erster Linie ihr Geschlecht, sondern ihre Klassenzugehörigkeit. Denn auch die große Mehrheit der Jungen und Männer wird von der Herrschaft des Kapitals unterdrückt und ihrer Lebenschancen beraubt. Und das Kapital hat kein Geschlecht, unter den Herrschenden in dieser Gesellschaft befinden sich Männer wie Frauen. Deshalb sind Forderungen nach „mehr Frauen in Führungspositionen der Wirtschaft“ falsch und irreführend. Ein Austausch des kapitalistischen Herrschaftspersonals nützt der großen Mehrheit der Menschen, egal ob Mann oder Frau, überhaupt nichts.

Viele Menschen in Deutschland, auch viele Frauen, würden sagen, dass hierzulande die Gleichheit von Mann und Frau im Wesentlichen schon erreicht sei. Sind Männer und Frauen nicht gleich vor dem Gesetz? Haben wir nicht sogar eine Frau als Kanzlerin?

Eine formelle Gleichstellung kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass im realen Leben von Gleichheit oft keine Rede sein kann. Immer noch verdienen Frauen im Schnitt 23% weniger als ihre männlichen Kollegen, auch wenn sie oft dieselbe Arbeit machen. Der Niedriglohnsektor in Deutschland ist überwiegend von Frauen geprägt: Über 70% der prekär Beschäftigten und 80% aller Teilzeitbeschäftigten sind Frauen. Die meisten Berufe, die typischerweise von Frauen ausgeübt werden, sind von besonders schlechten Löhnen gekennzeichnet. Die schlechtere Bezahlung der Mädchen und Frauen steht in krassem Gegensatz zu der Tatsache, dass Mädchen öfter als Jungen ihr Abitur machen.

In einer kapitalistischen Gesellschaft, in der nicht für die Bedürfnisse der Menschen produziert wird sondern für den Profit, wird Schwangerschaft als Risiko gesehen und gilt daher als Grund, eine Frau nicht einzustellen. Der Mangel an Kita-Plätzen zwingt viele Frauen dazu, sich zwischen Familie und Beruf zu entscheiden. Frauen haben deshalb immer eine schwächere Verhandlungsposition gegenüber dem Unternehmer und werden dementsprechend als Lohndrückerinnen missbraucht.

In einer bürgerlichen Tageszeitung sind Frauen zu Krisengewinnerinnen erklärt worden, weil die Ausweitung der sogenannten atypischen Beschäftigungsverhältnisse in der Krise derzeit vor allem Männer betrifft. Die Autorin dieses Artikels sollte man vielleicht einmal fragen, was eine Arzthelferin mit weniger als 1500 € im Monat davon hat, wenn Männer ihren Job verlieren. In Wirklichkeit richten sich die Angriffe des Kapitals in der Krise immer zuerst gegen die prekär Beschäftigten und die sind nun mal in ihrer Mehrzahl Frauen.

Die sogenannte Sparpolitik des Staates in der Krise, vor allem auf kommunaler Ebene, trifft uns alle, aber Frauen besonders. Wenn an Jugendzentren, Schwimmbädern und Betreuungsangeboten gespart wird, müssen zumeist die Mütter wieder mehr Zeit für die Betreuung der Kinder aufbringen. Außerdem drängen die Stellenkürzungen im sozialen Bereich vor allem Frauen in die Arbeitslosigkeit.

Es gibt aber auch Frauen, die tatsächlich in der Krise gewinnen. Das sind die Frauen in den Vorstandsetagen der Konzerne und die Großaktionärinnen, denen der Staat in der Krise mit Milliarden Euros aushilft. Die Rechnung dafür bekommen wir und unsere Kinder.

Aber ist das alles alternativlos?

Kuba zeigt, dass es auch anders geht. Dort verfolgt man das Konzept der vollständigen Gleichheit. Das bedeutet erstens die ökonomische Gleichheit von Frauen, indem Frauen sehr breit in die Produktion eingebunden werden. Zweitens ist es auf Kuba selbstverständlich, dass Frauen soziale und politische Verantwortung übernehmen. Noch wesentlicher als das formale Wahlrecht für die Gleichstellung der Frauen sind politische Mitarbeit und Bildung. Daher spielten Frauen bei der Alphabetisierungskampagne und in den Volksmilizen eine herausragende Rolle. Sie sind heute, auf allen Ebenen, Teil der Arbeits- und Bildungswelt.

Und drittens sind Frauen in Kuba rechtlich und politisch gleichgestellt. Frauen haben ein verfassungsmäßiges Recht auf Mutterschaftsurlaub und auf Berufsoptionen nach und vor der Geburt, die mit ihrer Mutterschaft vereinbar sind. Noch konkreter schreibt Kubas Familienrecht vor, dass häusliche Arbeit und Kindererziehung gleichermaßen auf beide Geschlechter verteilt werden müssen. Die Wirksamkeit dieser revolutionären Umstrukturierungen wird durch folgende Tatsachen bestätigt. Heute stellen Frauen -mit 65% die Mehrheit der Kubaner mit höherer Bildung. Heutzutage ist der Prozentsatz der weiblichen Abgeordneten, Anwälte, Ärzte und Naturwissenschaftler einer der höchsten im Vergleich mit jedem anderen Land auf dieser Welt. Der Frauenanteil bei technischen Berufen liegt bei 66% und der Anteil von weiblichen Führungskräften bei 39%. Das Verhältnis zwischen Männern und Frauen im kubanischen Parlament ist fast ausgeglichen. Ferner spielen Mädchen und junge Frauen eine große Rolle in den politischen Jugendorganisationen, in denen ihr Anteil 54% beträgt.

Wir als SDAJ organisieren unter dem Motto „Viva Cuba Socialista-Machen wir den Kapitalismus zur Geschichte“ 2 Brigarden um den Aufbau des „Zentrums zur Bildung revolutionärer Werte“ an der Uni in Havanna zu unterstützen.

Der große Unterschied in Kuba ist, dass Produktion und Verteilung nicht in Privathand sind und nicht über den Markt organisiert werden – auf Kuba gehören die Produktionsmittel den Arbeiterinnen und Arbeiter. Es gibt das verfassungsmäßige Recht auf Arbeit, kostenlose Bildung und Gesundheit. Zukunftsangst ist unbekannt. Wer auf Cuba studieren möchte, bekommt das Studium und den Lebensunterhalt bezahlt. Dies gilt auch für die etwa 15% ausländischen Studierenden aus Entwicklungsländern. Während in der BRD besonders uns Jugendlichen das Recht auf Arbeit und damit das Recht auf Beteiligung am gesellschaftlichen Leben verwehrt wird. Mehr als 300.000 Ausbildungsplätze fehlen. Bekommen wir einen Ausbildungsplatz steht jeder Dritte von uns ohne Übernahme auf der Straße. Wenn wir einen Job finden, ist der befristet, Leiharbeit oder ein Minijob. Etwa die Hälfte von uns Jugendlichen arbeitet in prekären Beschäftigungsverhältnissen. Von Sicherheit kann keine Rede sein.

2011 hat der kubanische Staat einen Entwurf zur „Aktualisierung des Wirtschaftssystems“ zur Diskussion gestellt und rund 8 Mio. Kubaner und Kubanerinnen beteiligten sich an der Debatte und brachten über 1,1 Mio. Änderungsanträge ein. In Deutschland hat das Volk sich nicht selbst eine Verfassung gegeben. An der Verfassung mitarbeiten? Undenkbar. Die kubanischen Arbeiterinnen und Arbeiter haben sich Instrumente und einen eigenen Staat geschaffen, um Probleme gemeinsam und geplant anzugehen und ihre Interessen und Bedürfnisse zu befriedigen.

Und auch die Geschichte hat gezeigt, dass es anders geht. In der DDR waren den Frauen die meisten der heutigen Probleme unbekannt: Ihre Kinder hatten in den Schulen und Kindergärten kostengünstige Mahlzeiten und kostenlose und qualitativ hochwertige Freizeitangebote in Sport, Musik und Kultur. Die Ausstattung mit Kita-Plätzen war nahezu flächendeckend. Frauen wie Männer genossen über ihren Arbeitsplatz Sicherheit und umfassende soziale Rechte. All das wurde durch die Zerstörung des sozialistischen Systems ausgelöscht, die Emanzipation der Frau um Jahrzehnte zurückgeworfen.

Solche Errungenschaften geraten in Konflikt mit dem Interesse der Kapitalisten, die natürlich nicht auf einen Teil ihres Gewinns verzichten wollen, nur damit wir ein besseres Leben haben.

Kämpfen wir für ein sozialistisches Deutschland, das die Fehler und Mängel der DDR vermeidet. Jeder Zentimeter muss erkämpft werden und das geht nur mit starken Organisationen. Wir brauchen einen starken kommunistischen Jugendverband, eine starke revolutionäre kommunistische Partei, konsequente Gewerkschaften in allen Betrieben und Organisationen der klassenkämpferischen Frauen!

Wir kämpfen dafür, dass die Frau in der Gesellschaft dem Mann völlig gleichgestellt wird. Aber auch wenn wir der Meinung sind, dass nur die Überwindung des Kapitalismus und der Sozialismus eine solche Gleichheit herstellen können, wollen wir sie dennoch so weit wie möglich schon auf unserem Weg dahin verwirklichen.

Wir fordern:

  • Gleicher Lohn für gleiche Arbeit!
  • Kostenlose Ganztagsplätze in KiTas und Schulen!
  • Das Recht auf einen sicheren Arbeitsplatz nach einer Geburt ohne jegliche Nachteile!
  • Der 8. März muss als Internationaler Frauentag gesetzlicher Feiertag werden!

 

Wir die SDAJ Tübingen wünschen euch viel Erfolg mit dem weiteren Programm!

Hoch die internationale Solidarität!

Diesen 20. Februar findet hier in Tübingen ein Warnstreik im Rahmen der Tarifverhandlung der Länder statt. Wir solidarisieren uns mit allen Streikenden und sichern den Kolleg_innen unsere tatkräftige Unterstützung zu.

Besodners erfreulich ist die Entwicklung, dass in diesem Jahr erstmals auch die universitären Hilfskräfte als organisierte Kraft auftreten und sich mit dem Streik der Uni-Belegschaft solidarisch erklären. Die HiWis, ohne die der Unibetrieb schon lange nicht mehr denkbar wäre, gehören zu den Angestelltengruppen mit den niedrigsten Löhnen, den prekärsten Arbeitsbedingungen und den wenigsten Rechten – sie haben noch nicht einmal eine eigene Interessenvertretung. Wir unterstützen die Forderung des AK Studentische und Wissenschaftliche Hilfskräfte nach einer Aufnahme in den Tarifvertrag! HiWis aller Fakultäten, vereinigt euch!

Warnstreik_Solidarität_klein

Solidaritätserklärung der SDAJ zu den Tarifkämpfen der Länder:

Übernahme und Lohnerhöhung!

für eine kämpferische Tarifauseinandersetzung!

Liebe Kolleginnen und Kollegen!

 Wir, die Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend (SDAJ), erklären uns solidarisch mit eurem Warnstreik heute am 20. Februar und euren Forderungen in den aktuellen Tarifauseinandersetzungen!

 Von 2000 – 2010 ist der Reallohn in Deutschland um 5,4% gesunken. Wir können uns also trotz kleineren Lohnerhöhungen immer weniger von unserem Einkommen kaufen. Im Gegenzug steigen die Profite der Banken und Konzerne massiv.

Um der Umverteilung des Reichtums hin zu den Unternehmen etwas entgegenzusetzen, wäre eine Lohnerhöhung um ein gutes Stück notwendig. Zusätzlich zu der prozentualen Erhöhung ist auch eine Festgelderhöhung, wie ihr sie für die Ausbildungsvergütung fordert, ein sehr wichtiger Schritt. Dies hilft, die enorme Differenz zwischen den Eingliederungen etwas auszugleichen. Vor allem Auszubildende haben damit zu kämpfen, dass das Geld vorne und hinten nicht reicht. Auch wir setzen uns für eine Ausbildungsvergütung ein, die zum leben ausreicht. Eine kollektive Erhöhung wäre ein wichtiger erster Schritt in diese Richtung.

 Von allen Seiten hört man immer wieder die Worte „Fachkräftemangel“ und „demographischer Wandel“. Auf der anderen Seite landen jedes Jahr hunderttausende Jugendliche in Warteschleifen oder werden arbeitslos, und das obwohl sie eine qualifizierte Ausbildung erlangt haben. Von Mangel kann hier also nicht die Rede sein!. Um Jugendlichen sichere Zukunftsaussichten statt Arbeitslosigkeit und prekäre Beschäftigung zu garantieren ist eine unbefristete Übernahme nach der Ausbildung unabdingbar. Deshalb schließen wir uns eurer Forderung „Zeit für unbefristete Übernahme“ voll und ganz an!

 In Zeiten der Krise wird uns gesagt, wir müssten alle „den Gürtel enger schnallen“, die öffentlichen Kassen seien leer und überhaupt müssten wir sparen. Diese Sparmaßnahmen, von der Bundesregierung rigoros geplant und durchgedrückt, treffen als erstes die öffentlichen Kassen. Ob es jetzt ein Stadtstärkungspakt in NRW ist oder Maßnahmen mit anderen trügerischen Namen: Die Kosten der Krise sollen auf uns abgewälzt werden und nicht auf die, die sie verursacht haben, nämlich die Banken und Konzerne. Gerade vor solchen Argumentationen gilt es sich zu schützen und ihnen unsere vereinte Kampfkraft entgegenzusetzen. Diese wurde z.B. durch die Aufspaltung der Tarifverhandlung in Bund/Kommune und Länder massiv geschwächt. Ziel müsste es sein diese Spaltung wieder aufzuheben und den Tarifvertrag nur auf 12 Monate abzuschließen. Es gilt hier wie auch sonst immer: Je mehr wir sind, umso lauter und kämpferischer können wir sein!

 Wir wünschen euch weiterhin viel Erfolg in eurem Tarifkampf und sichern euch unsere vollste Unterstützung und Solidarität zu!

Pforzheim x1

Am 23. Februar 2013 will der faschistische „Freundeskreis Ein Herz für Deutschland“ eine „Fackel-Mahnwache“ in Pforzheim abhalten. Die Nazis wollen im Rahmen des Gedenkens an „deutsche Opfer des Luftangriffs 1945″ von den Verbrechen ihrer historischen Vorläufer ablenken, diese relativieren und Nazideutschland als „Opfer“ des Krieges darstellen, den es selbst entfesselt hat. Es ist der Versuch, den Verlauf der Geschichte umzudeuten, um in letzter Konsequenz den Faschismus öffentlich zu verherrlichen. Dies gilt es zu verhindern!
Beteiligt Euch an der antifaschistischen Demonstration und den Blockaden, welche die Aktionen der Nazis in Pforzheim an diesem Tag unterbinden sollen.

Demobeginn in Pforzheim: 16 Uhr /// Blockadestart auf dem Wartberg: 17.30 Uhr

Die SDAJ Gruppe Tübingen unterstützt die Mobilisierung des Offenen Treffens gegen Faschismus und Rassismus (OTFR). Fahrt mit uns nach Pforzheim, bringt eure Freunde mit, bildet Bezugsgruppen – falls ihr alleine kommt sprecht uns am bahnhof an, so dass wir euch alle in Bezugsgruppen unterbringen können. Aus Tübingen und Reutlingen wird es eine gemeinsame Anreise nach Pforzheim mit der Bahn geben.

Zugtreffpunkte: Hbf Tübingen 13.15 Uhr /// Hbf Reutlingen 13.30 Uhr

Eine Kopiervorlage für die Mobiflyer des OTFR könnt ihr euch hier herunterladen: Nicht lange Fackeln.pdf

SDAJ Transpi1200 Antifaschist_innen haben am Samstag trotz eisiger Temperaturen mit einer Demonstration an den Mössinger Generalstreik von vor 80 Jahren gedacht. Wir möchten an dieser Stelle allen Menschen herzlich danken, die ihren Respekt für die mutigen Mössinger Arbeiter_innen auf die Straße getragen haben – auch heute ist es wichtig, dass antifaschistische Protest in der Öffentlichkeit unüberhörbar gemacht wird! Außerdem gehen unser Dank und unsere solidarischen Grüße an alle, die in den letzten Wochen und Monaten im Rahmen des Demobündnisses bei den Vorbereitungen und der Mobilisierung geholfen haben!

Ein vorläufiger Bericht in Form einer Fotoreportage findet sich hier. (Danke an die Verfasser_innen der Antispe Tübingen!)

Die Lokalzeitung Schwäbisches Tagblatt berichtete mit einem Artikel und einem Videobeitrag.

Der SWR sendete in der abendlichen Landesschau einen kurzen Bericht.

Auch die marxistische Tageszeitung Junge Welt berichtete über die Demo und druckte ein Foto ab: Auf die Straße. Schon im Vorfeld hatte die jw mit mehreren Artikeln ausführlich über den Jahrestag, seinen Kontext sowie die diversen Diffamierungen aus dem konservativen Lager berichtet: Hitler und die CDUHeraus zum MassenstreikAusstellung und Demonstration

Im Folgenden dokumentieren wir die Rede der Vertreter_innen des antifaschistischen Jugendblocks, gehalten auf der Abschlusskundgebung vor der Langass-Turnhalle, dem Ausgangspunkt der Generalstreiksdemonstration von 1933 und wichtigsten Treffpunkt der Mössinger Arbeiter_innenbewegung in den 20er und 30er jahren.

Liebe Mössinger_innen, Liebe Kolleg_innen aus den Gewerkschaften, Liebe Antifaschist_innen, Liebe Genoss_innen

Heraus zum Massenstreik!“. Unter dieser Parole beschlossen die Arbeiter_innen aus Mössingen und Umgebung vor 80 Jahren den Nazis die Stirn zu bieten. Leider blieben sie mit ihrer Aktion allein. Zum Teil, weil Gleichgesinnte in anderen Teilen Deutschlands zu diesem Zeitpunkt bereits durch Polizei und SA von den Straßen geprügelt worden waren; zum Teil, weil nicht in allen Städten Deutschlands die nötige Einigkeit und Entschlossenheit innerhalb der Arbeiterbewegung herrschte – vielleicht aber auch, und das haben die alten Generalstreiker_innen immer besonders gerne betont, weil hier ein besonders eigensinniges und widerständiges Völkchen lebte. Häufig, wenn es heute in der Öffentlichkeit um den Mössinger Generalstreik geht, ist im Rückblick von „einfachen“ oder sogar etwas „einfältigen“ Menschen die Rede. Ganz so, als wüssten jene, die heute die Geschichte dieser Menschen schreiben, besser darüber bescheid, was damals richtig und was falsch, was damals möglich und was Träumerei gewesen ist. Für uns ist klar, dass eben diesen vermeintlich „einfachen“ Menschen heute unsere ganze Sympathie gehört – und es erfüllt uns mit Trauer, dass an diesem 80. Jahrestag keinE lebendeR Zeitzeug_in mehr unter uns sein kann. Es waren nämlich genau diese „einfachen“ Menschen, Weberinnen, Zuschneider, Näherinnen, Maurer, Glaser, Schreiner, Zimmerleute und Kleinbäuerinnen, die am 31. Januar vor 80 Jahren mehr Weitblick, mehr Mut und mehr Entschlossenheit bewiesen haben, als all die großen Männer, die angeblich seit je her die Geschichte machen. Diesen „einfachen“ Leuten gilt heute unser Gedenken!

VVN Transpi 2

Als eine neue Generation von jungen Antifaschist_innen betrachten wir es als unsere Pflicht, von den Kämpfer_innen von gestern für die Kämpfe von heute und morgen zu lernen. Wir können von ihnen lernen, nicht weg zu schauen, nicht die Augen zu verschließen vor Unrecht, Verfolgung und Tyrannei. Wir können von ihnen lernen, was Unerschrockenheit, Opferbereitschaft und Solidarität bedeuten. Wir können von ihnen lernen, wie wichtig Organisation und Zusammenhalt sind – nicht nur im Wort, sondern auch in der Tat. Sie haben damals den politischen Streik als ihre Waffe gewählt – es ist an uns, uns diese Waffe auch für die Zukunft wieder zu erkämpfen!

Der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem das kroch“, sagte Bertolt Brecht kurz nach Ende des Krieges. Damit wollte er seine Zeitgenoss_innen vor der Möglichkeit einer neuen faschistischen Gefahr warnen. Diese Warnung hat heute nichts von ihrer Aktualität verloren. Wir leben in einem Staat, der bei jeder Gelegenheit marschierenden Neonazis die Straßen frei prügelt. Engagement gegen Faschismus und Rassismus wird systematisch verfolgt, kriminalisiert und in der Öffentlichkeit diffamiert. Und all das geschieht im selben Land, in dem eine neonazistische Terrorgruppe namens NSU jahrelang unter der schützenden Hand des sogenannten Verfassungsschutzes Menschen ermorden konnte.

Wenn es nach den Herrschenden geht, steht der Feind natürlich immer links – und das gilt heute genau so, wie vor 80 Jahren. Die Nazis haben sich damals nicht an die Macht geputscht, sondern sie wurden von der herrschenden Klasse an die Macht befördert. Nicht zuletzt, weil sie versprochen hatten, den Marxismus und die Arbeiterbewegung „mit Stumpf und Stiel“ auszulöschen. Um so erschreckender ist es, dass heute wieder vermehrt Stimmen laut werden – auch hier in Mössingen – die Nazis und Kommunist_innen auf eine Stufe stellen wollen. Jene, die heute vom sogenannten rechten und linken Extremismus reden, als seien es zwei Seiten einer Medaille, stellen sich damit nicht nur in eine Traditionslinie mit denen, die damals, vor 80 Jahren, zuhause geblieben sind und nichts vom Widerstand wissen wollten, sondern sie stehen letztlich in einer Traditionslinie mit jenen Kräften, die damals den Nazis an die Macht geholfen haben. Wir wehren uns gegen jede Geschichtsverdrehung, die zu verschleiern versucht, dass der Faschismus in Wirklichkeit ein Herrschaftsinstrument des Kapitalismus war und aus der Mitte der bürgerlichen Gesellschaft kam.

Plakate

Wer heute Nazis mit Kommunist_innen gleichsetzt, setzt Täter mit Opfern gleich, Tyrannei mit Widerstand. Nicht die Kommunist_innen haben die Weimarer Republik im Blut ertränkt, sondern die Kapitalistenklasse und ihre faschistischen Kettenhunde. Während die kommunistische Bewegung immer die Befreiung der Menschheit von Ausbeutung und Unterdrückung zum Ziel hatte, haben sich die Nazis von den ersten Tagen ihrer Bewegung an Ausbeutung, Unterdrückung, Versklavung und Vernichtung auf die Fahnen geschrieben. Tausende von Kommunist_innen leisteten Widerstand und wurden dafür in den Folterkellern und Konzentrationslagern der Nazis ermordet. Nicht die Sowjetunion hat den Zweiten Weltkrieg entfesselt, sondern das faschistische Nazideutschland. Überall in den von der Wehrmacht eroberten Gebieten kämpften Kommunist_innen im Untergrund und in Partisaneneinheiten gegen die faschistischen Besatzer. Die Sowjetunion hatte im Krieg gegen den deutschen Faschismus mit über 25 Millionen Toten die meisten Opfer zu beklagen – wie kann es sein, dass heute, im Land der Täter, das seine Befreiung nicht zuletzt diesem unvorstellbaren Menschenopfer verdankt, die Befreier mit den Nazis gleichgesetzt werden?

Leider stimmt es, dass damals, vor 80 Jahren, nirgends nichts gewesen ist außer hier. Aber hier ist etwas gewesen! Und das war ganz maßgeblich den Mössinger Kommunist_innen zu verdanken. Diese Tatsache darf an einem Tag wie heute nicht verschwiegen werden! Die Menschen, die hier vor 80 Jahren gegen Faschismus und Krieg gestreikt haben, haben das nicht etwa getan, trotz oder obwohl viele Kommunist_innen unter ihnen waren, sondern gerade weil es im „Roten Mössingen“ so eine starke kommunistische Bewegung gab.

Wir dürfen uns heute als antifaschistische Bewegung nicht spalten lassen, weder von der antikommunistischen Hetze noch von der Extremismusdoktrin, die uns mit alten und neuen Nazis auf eine Stufe stellen will. Polizei und Verfassungsschutz versuchen einen Keil zwischen uns zu treiben, in dem sie vor allem jugendliche Antifaschist_innen und als extremistisch und antidemokratisch kriminalisieren – das dürfen wir nicht zulassen! Erfolgreicher Antifaschismus braucht breite Bündnisse und tatkräftige Solidarität– kämpfen wir in diesem Sinne also gemeinsam, Seite an Seite, gegen Krieg, Rassismus, Antisemitismus und Faschismus!

Nie wieder Krieg, nie wieder Faschismus!

Für die antifaschistische Solidarität und die Massenstreiks der Zukunft!

Uneingeschränkte Versammlungsfreiheit und politisches Streikrecht erkämpfen!

Verbot der NPD und aller faschistischen Organisationen!

Hoch die internationale Solidarität!

Rote Fahne

 

Poster_smallDer 80. Jahrestag des Mössinger Generalstreiks rückt immer näher, die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren – kommt zahlreich mit uns zur Demo in Mössingen! Setzen wir ein deutliches Zeichen gegen Faschismus und Antikommunismus! Nehmen wir uns ein Beispiel am Mut der GeneralstreikerInnen von damals – für die Massenstreiks der Zukunft!

Zur gemeinsamen Anreise aus Tübingen treffen wir uns um 13:15 am Hauptbahnhof (Abfahrt um 13:28) – Informationen zur Anreise aus anderen Städten finden sich unter folgendem Link: Fahrplanzeiten

Einen Lageplan mit eingezeichneter Demoroute findet sich hier: Routenplan

Im Folgenden dokumentieren wir den Aufruf des gewerkschaftlichen Bündnisses, das wir aktiv unterstützen:

Politischer Streik hätte Hitler gestürzt und den Krieg verhindert!

“Heraus zum Massenstreik!” Unter dieser Losung zogen am 31. Januar 1933 achthundert Demonstrantinnen und Demonstranten durch Mössingen. Soeben war die Macht im Staat an Hitler übertragen worden. Diesen Verbrecher zu stürzen, war ihr Ziel. Darum folgten sie dem Streikaufruf der damaligen Kommunistischen Partei, auch Männer und Frauen aus der Sozialdemokratie. Viele waren in der Gewerkschaft. So früh und so einhellig wie in Mössingen regte sich nirgendwo im Land der Protest gegen die Nazidiktatur.

Schon beim Kapp-Putsch 1920 hatten die Arbeiterinnen und Arbeiter erfolgreich mit einem Generalstreik die Republik gerettet, die den rechten Putschisten nicht passte. Wäre dieses Mittel des zivilen Ungehorsams 1933 überall von einer einheitlich handelnden Bewegung eingesetzt worden, so wie in Mössingen, wäre die deutsche Geschichte anders verlaufen. Der Welt wäre viel erspart geblieben.

Zum 80. Jahrestag wollen wir am 2. Februar 2013 an diese mutigen Mössingerinnen und Mössinger erinnern. Sie riskierten viel und wussten das. Über einhundert Menschen aus Mössingen, Nehren, Talheim, Belsen, Bodelshausen und anderen Nachbarorten standen danach vor Gericht – wegen “Hochverrat” und “Landfriedensbruch”. Ohne große Worte zeigten sie in jener Zeit mehr politische Weitsicht als viele andere. Sie praktizierten Solidarität und Verständnis füreinander. Sie ließen sich nicht gegeneinander ausspielen. An ihnen prallte auch die rassistische Hetze der Nazis ab. Und sie wussten: Hitler bedeutet Krieg!

Daran wollen wir anknüpfen. Unsere heutige Gesellschaft ist viel bunter als damals, und das ist gut so. Was wir nicht brauchen, sind Neonazis und ihre Aufmärsche. Sie terrorisieren MigrantInnen und Flüchtlinge. Sie sehen sich bestärkt durch eine Politik, die behauptet, das Boot sei “voll” und Muslime gefährlich. Setzen wir also ein Zeichen gegen Ausgrenzung und Rassismus! Faschismus ist keine politische Meinung, sondern ein Verbrechen, das schon einmal die ganze Welt ins Elend gestürzt hat. Die NPD gehört also aufgelöst und verboten. Und es muss dabei bleiben, was nach 1945 galt: “Von deutschem Boden darf nie mehr Krieg ausgehen.”

“Heraus zum Massenstreik!”

“Illegal” wäre die damalige Aktion in Mössingen auch heute. Seit den 1950er Jahren gelten politische Streiks als rechtswidrig. Nur bei Tarifauseinandersetzungen und mit komplizierten Einschränkungen sind Streiks “erlaubt”. Andernfalls drohen riesige Schadenersatzforderungen der Unternehmer wegen “Produktionseinbußen” – oder anders ausgedrückt: wegen Einschränkung des Profits. Seit Einführung der „Hartz“-Gesetze ist die Arbeitswelt noch unsicherer geworden. Für befristet oder geringfügig Beschäftigte, LeiharbeiterInnen u.a. bedeutet selbst die Wahrnehmung dieser eingeschränkten Streikrechte ein existenzbedrohendes Risiko. Die alte gewerkschaftliche Forderung nach einer Demokratisierung der Wirtschaft ist aktueller denn je! Ökonomische Ängste der BürgerInnen befeuern den Hass auf Menschen, die in irgendeiner Weise von der Norm abweichen, die von PopulistInnen definiert wird.

Wer gegen diesen Hass oder auch für den Frieden auf die Straße geht – sogar am 1.Mai, um einen Nazi-Aufmarsch zu verhindern – riskiert, “eingekesselt” oder wegen Verstoßes gegen das Versammlungsgesetz belangt zu werden. Nicht nur die Gewerkschaftsbewegung – alle demokratischen Bewegungen brauchen das Versammlungs-, Demonstrations- und Streikrecht wie die Luft zum Atmen. Wie sonst sollen sie gegen die wirtschaftlich Mächtigen etwas durchsetzen? Mit den Einschränkungen, mit dem Abbau dieser Grundrechte muss Schluss sein.

Täglich neue Skandale belegen die undurchsichtige Verstrickung der Geheimdienste und Sicherheitsbehörden mit der Neonaziszene. Demokratische Transparenz zu schaffen, wäre das Mindeste. Das Geld für den nutzlosen “Verfassungsschutz” wäre in der Bildung viel besser aufgehoben.

Millionenfach wurde die Menschenwürde in den Jahren der Nazidiktatur mit Füßen getreten. Auch für die Würde jedes Menschen gingen die 800 Mössingerinnen und Mössinger am 31. Januar 1933 auf die Straße. Für sie gab es eine Alternative zu Hitler. Erinnern wir uns daran, wenn uns heute gesagt wird, es gebe keine Alternative zu den Zwängen einer globalen Marktwirtschaft.

Empört euch! Für ein uneingeschränktes Versammlungs- und Streikrecht!

Für eine Demokratisierung der Wirtschaft!

Nie wieder Faschismus und Krieg!

Auf nach Mössingen – am 2. Februar 2013!

Veranstalter:
DGB Kreisverband Reutlingen, DGB Arbeitskreis Tübingen, IG Metall Reutlingen-Tübingen, ver.di Bezirk Fils-Neckar-Alb, GEW Reutlingen/Tübingen, VVN – Bund der Antifaschisten Baden-Württemberg, VVN – Bund der Antifaschisten Tübingen-Mössingen

Generalstreik_Front_smallDa ist nirgends nichts gewesen außer hier…“

In diesen Tagen jährt sich zum 80. Mal der Mössinger Generalstreik gegen die Machtübertragung an Hitler am 31. Januar 1933. Damals hatten sich Arbeiterinnen und Arbeiter der Textilindustriebetriebe der schwäbischen Kleinstadt unter Führung der KPD in der Antifaschistischen Aktion zusammengeschlossen und zum Massenstreik gegen die Übertragung der Macht an die Nazis aufgerufen. Leider blieb das entschlossene Vorgehen der organisierten Mössinger Arbeiterschaft einzigartig in Deutschland. Der Streik wurde durch eine aus der nahegelegenen Stadt Reutlingen beorderten Einheit der Bereitschaftspolizei niedergeschlagen und die “Rädelsführer” der Aktion am Folgetag verhaftet. Einige von ihnen verbrachten Jahre hinter Gittern.

Da Kommunist_innen zu den entschiedensten Gegnern des Naziregimes gehörten und zu Tausenden im antifaschistischen Kampf ihr Leben ließen ist das Gedenken an die mutigen Mössinger Streikenden für uns als junge Kommunist_innen ein besonders wichtiges Anliegen. Antifaschismus und Antikapitalismus gehören zusammen, da nur durch die Überwindung des Kapitalismus dem Faschismus der Nährboden entzogen werden kann. Ausgehend von dieser Erkenntnis kämpften kommunistische Parteien und Organisationen frühzeitig und energisch gegen den Faschismus als brutalste Form bürgerlicher Herrschaft.

Der politische Massenstreik ist und bleibt das mächtigste unmittelbare Kampfmittel der Arbeiterklasse – dies galt und gilt auch für den Kampf gegen den Faschismus, den größten Feind der Arbeiterbewegung. Die Mössinger Generalstreikenden sind uns Vorbild. Ihr Kampf gegen Faschismus und Krieg bleibt aktuell, wie auch der Massenstreik heute wieder zum Mittel einer kämpferischen Arbeiterbewegung werden muss.

Unser Gedenken an die Kämpfe von gestern muss den Kämpfen von heute und morgen gewidmet sein!

Nie wieder Krieg, nie wieder Faschismus!

Das politische Streikrecht erkämpfen!

 

22. Januar 2013, 20:00, Club Voltaire: Veranstaltung mit Bernd-Jürgen Warneken (Kulturwissenschaftler, Tübingen) und Jürgen Jonas (Journalist, Nehren) im Club Voltaire in Tübingen

Gemeinsam mit der VVN-BdA und den Genoss_innen der Antifa (Aufbau) Tübingen wollen wir über die Generalstreikserfahrung von 1933 und ihre Relevanz für unsere heutigen Kämpfe diskutieren.
Veranstaltungsflyer pdf.

2. Februar 2013 – Demonstration in Mössingen:  Zum 80. Jahrestag des Mössinger Generalstreiks wird es unter dem Motto „Politischer Streik hätte Hitler gestürzt und den Krieg verhindert!“ eine Demonstration auf der historischen Route in Mössingen geben. Wir unterstützen als SDAJ das gewerkschaftliche Bündnis und seinen Aufruf – Auf nach Mössingen! Kämpfen für den politischen Massenstreik, damals wie heute!

 

Am Mittwoch den 12. Dezember ab 19:00 findet in der Hausbar des Wohnprojekts Schellingstraße ein Vortrag zum Thema „Völkermord an den Armeniern“ statt. Veranstaltende Gruppen sind PuK und Trotz Alledem, die SDAJ und die Antifa (Aufbau) unterstützen die Veranstaltung.

Ankündigungstext:

Der Völkermord an den Armeniern und die Militärherrschaft Deutschlands

Die vernichtung von über 1,5 Mio ArmenierInnen wurde 1915-1917 durch den osmanisch/türkischen Staat politisch-ideologisch vorbereitet und auf barbarische Weise militärisch durchgeführt. Noch immer kämpfen die ArmenierInnen in der Diaspora und in Armenien selbst für die Anerkennung des Genozids durch den türkischen Staat.

Das Deutsche kaiserreich war einer der wichtigsten Verbündeten des Osmanischen Reichs im Ersten Weltkrieg. Das Deutsche Reich war am Völkermord aktiv beteiligt und mitverantwortlich. So wie der Zeitungskorrespondent von Tyszka schon am 30. September 1915 schrieb: „Ohne Deutsche wäre es aber nicht so gegangen, wie es gegangen ist.“

Die Verantwortung und Mittäterschaft des Deutschen Reiches wird immernoch zumeist betsritten. Wir möchten uns damit auseinandersetzen, wie diese Beteiligung aussah und wie in Deutschland damit umgegangen wurde.“

Die studentischen und wissenschaftlichen Hilfskräfte (HiWis) sind eine der größten Angestelltengruppen an der Uni hier in Tübingen. Ohne sie geht im Lehr- und Forschungsbetrieb nichts. Würden die HiWis von einem Tag auf den anderen ihre Arbeit einstellen, würde der Lehrbetrieb unweigerlich zusammenbrechen – die Bibliotheken müssten geschlossen bleiben, Tutorien könnten nicht stattfinden, die Profs stünden ohne Kopien, Powerpoint-Folien und Scripte da, und auch in der Verwaltung, wo Hilfskräfte offiziell überhaupt nicht arbeiten dürften, ginge ohne sie nichts…

Obwohl die HiWis für die Uni so wichtig sind, sind sie ihr kaum mehr als einen Hungerlohn wert. Aus Sicht der Unileitung sind sie billige Arbeitskräfte, die sich nach belieben einstellen und bei Bedarf auch wieder loswerden lassen. Die studentsichen und wissenschaftlichen Hilfskräfte bilden das schwächste Glied der langen Kette all jener, die an der Uni mal mehr, mal weniger prekär angestellt sind. Sie werden weder nach Tariflohn bezahlt, noch gibt es für sie verbindliche Regelungen für Arbeitszeiten, Urlaubstage und Lohnfortzahlung im Krankheitsfall. Unbezahlte Überstunden, permanente Abrufbarkeit und Arbeit am Wochenende gehören zum Alltag, und das bei Löhnen, die in Städten wie Tübingen noch nicht ein Mal die Mietkosten decken, und bei Arbeitsverträgen, die kaum je länger als 6 Monate gelten und jeder Zeit auslaufen können. Bisher gab es zudem keine formale Interessenvertretung, die sich für die Rechte der HiWis und die Verbesserung ihrer Arbeitsbedingungen einsetzen könnte. Dies soll sich jetzt ändern! Die HiWis beginnen Widerstand zu organisieren.

Immer, wenn im Bildungssystem gespart werden soll, trifft es an den Hochschulen zu aller erst die Hilfskräfte. Das bekommen die HiWis hier in Tübingen dieses Jahr auch zu spüren. Ihnen wird das Weihnachtsgeld gestrichen (also ein ganzes Monatsgehalt!), was die meisten der betroffenen erst in den nächsten Tagen erfahren dürften, und zwar, wenn ihnen das Gehalt für November überwiesen wird. Aber es regt sich Widerstand! In der Zwischenzeit haben sich HiWis zu einem Arbeitskreis zusammengeschlossen, der nicht nur eine Kampagne gegen die Streichung des Weihnachtsgeld auf die Beine gestellt hat, sondern sich auf  lange Sicht auch kollektiv dafür einsetzen will, eine starke Interessenvertretung sowie einen Tarifvertrag fürdie HiWis zu erkämpfen!

Hier geht es zur Online-Petition der Weihnachtsgeld-Kampagne. Jede Unterschrift zählt!

Auf dem Blog des HiWi-AKs werden alle Aktionen und Termine veröffentlicht.

Als SDAJ unterstützen wir den Arbeitskreis der HiWis nach Kräften.

Kein Fest ohne Weihnachtsgeld!

Für eine starke Interessenvertretung der studentsichen und wissenschaftlichen Hilfskräfte – weg mit den prekären Anstellungsverhältnissen, her mit Tarifverträgen!

Im Rahmen der Aktionswoche für Kostenfreie Bildung haben wir eine Flyeraktion auf dem Campus Wilhelmstraße durchgeführt. Die Studeinbedingungen sind für viele von uns jetzt schon katastrophal, und sie verschlechtern sich weiter – es liegt an uns, Widerstand zu organisieren und die Bildungsprotestebewegung neu zu formieren!

Schüler, Studis, Azubis – auf die Barrikaden!

Kostenfreie und umfassende Bildung, bezahlbarer Wohnraum und ausreichend Platz in Seminaren und Vorlesungen FÜR ALLE!

Hier findet ihr eine Kopiervorlage (pdf) des Flyers.

Mit dem Beginn des Wintersemesters ist das typische Tübinger Sommerloch endlich vorbei. Höchte Zeit, dass auch die Marxsitsiche Abendschule (MASCH) wieder weitergeht!

Wir lesen weiter an der Grundlagenschule der SDAJ, einer Einführung in die Grundlagen des Marxismus, die von Jugendlichen für Jugendliche geschrieben wurde und die jede und jeder verstehen kann, egal ob Schüler, Azubi oder Studi. Wir haben zwar im Sommer die ersten beiden Kapitel schon behandelt, trotzdem kann man jeder Zeit quer einsteigen. Vorkenntnisse sind nicht erforderlich, die Teilnahme ist kostenlos und unverbindlich.

Und auch sonst bleibt alles beim Alten. Wir treffen uns alle zwei Wochen, immer Donnerstag Abend um 19:15 in der Altstadt. Die Texte findet ihr zum freien Download als pdfs im Bereich MASCH. Wenn ihr Lust habt mitzumachen, schreibt uns einfach eine mail (kontakt@tuebingen.sdaj-bawue.de) und wir teilen euch den genauen Treffpunkt mit. Ihr könnt euch auch auf unserem Newsletter eintragen und so immer über die aktuellen MASCH-Sitzungen und andere Aktivitäten in der Region auf dem Laufenden bleiben.

Das nächste Treffen findet am Donnerstag den 25. Okt. statt. Wir lesen das Kapitel zum Wissenschaftlichen Sozialismus, das ihr hier zum Download findet.

 

Und warum das alles? Das erklärt uns am besten der alte Brecht:

LOB DES LERNENS (BERTOLT BRECHT)

Lerne das Einfachste! Für die,

Deren Zeit gekommen ist

Ist es nie zu spät!

Lerne das Abc, es genügt nicht, aber

Lerne es! Laß es dich nicht verdrießen!

Fang an! Du mußt alles wissen!

Du mußst die Führung übernehmen.

Lerne, Mann im Asyl!

Lerne, Mann im Gefängnis!

Lerne, Frau in der Küche!

Lerne, Sechzigjährige!

Du mußt die Führung übernehmen.

Suche die Schule auf, Obdachloser!

Verschaffe dir Wissen, Frierender!

Hungriger, greif nach dem Buch: es ist eine Waffe.

Du mußt die Führung übernehmen.

 

Scheu dich nicht zu fragen, Genosse!

Laß dir nichts einreden

Sieh selber nach!

Was du nicht selber weißt

Weißt du nicht.

Prüfe die Rechnung

Du mußt sie bezahlen.

Lege den Finger auf jeden Posten

Frage: wie kommt er hierher?

Du mußst die Führung übernehmen.