Auf zur Walpurgisnachts-Demo am 30. April!

Am 30. April findet ab 20.30 die Walpurgisnachts-Demo in Tübingen (Treffpunkt: Karlsstraße) statt. Sie richtet sich gegen sexualisierte Gewalt an Frauen und Mädchen. Wir nehmen teil!

Vergewaltigungen und sexuelle Belästigung in Tübingen

Letztes Jahr, im April 2015, fand die Walpurgisnachts-Demo in Tübingen zum ersten Mal seit langem wieder statt. Auslöser war eine Gruppenvergewaltigung einer jungen Frau durch 4 Männer am Rande der sogenannten Project-X-Party. Im weiteren Verlauf des Jahres wurde eine Studentin auf dem Nachhauseweg in der Nähe des Bonatz-Baus vergewaltigt.

Diese beiden Fälle wurden bekannt. Aus der Forschung wissen wir jedoch, dass die Dunkelziffern bei Sexualstraftaten sehr hoch sind: Die meisten Fälle werden nicht öffentlich, die meisten Täter werden nicht verurteilt. Das Problem reicht weit über den Straftatbestand Vergewaltigung hinaus: Die Verfügungsgewalt von Frauen und Mädchen über den eigenen Körper wird massiv untergraben, weil jeden Tag Belästiger psychische und physische Grenzen überschreiten. Das reicht vom „Hinterherrufen“ auf dem Weg durch den Fahrradtunnel oder über die Neckarbrücke, „Antanzen“ beim Weggehen oder „Hinterherlaufen“ auf der Straße, und es steigert sich zu Übergriffen, bei denen das Selbstbestimmungsrecht der Opfer über ihren Körper verletzt wird. Diese Übergriffe haben oft einen „sexualisierten“ Charakter, weil die Täter ihre Gewalttätigkeit über sexuelle Gesten transportieren. Mit „Sexualität“ hat Übergriffigkeit jedoch nichts zu tun: Sexualisierte Gewalt begründet sich auf die Machtausübung des Täters gegenüber dem Opfer – in den meisten Fällen männlicher Täter und weiblicher Opfer, das muss jedoch nicht immer so sein.

Wer ist Opfer, wer ist Täter?

Wie bereits erwähnt, schaffen es die meisten Fälle von Vergewaltigung nicht in die Öffentlichkeit, sondern bleiben im Verborgenen. Hinzu kommt: Die Fälle, in denen Frauen ihre Angreifer in die Flucht schlagen, einschüchtern, verletzen oder töten, schaffen es meist auch nicht in die Presse, weil sie dem Bild der wehrlosen Frau widersprechen. Dabei gibt es zahlreiche solcher Fälle, die Mut machen. Wenn es Opfern sexualisierter Gewalt gelingt das Machtverhältnis, das Täter derzeit über Opfer haben, umdrehen ist das gut. Frauen haben alles Recht dazu sich auch gewaltsam gegen sexuelle Übergriffe zu wehren – Opfer sind keine Täter. Ein Fehler wäre es jedoch, in diesem individuellen Vorgehen eine grundlegende Lösung zu sehen: der gesellschaftliche Nährboden der Gewalt bleibt dennoch erhalten.

Reaktionäre „Frauenfreunde“ bleiben reaktionär…

Das politische Klima derzeit verhindert geradezu, sich über das Thema sexualisierte Gewalt inhaltlich verständigen und gemeinsam dagegen kämpfen zu können. Von Parteien wie der AfD wird das Thema genutzt, um rassistische Hetze gegen Flüchtlinge zu betreiben – mit Erfolg. Besonders brechreizerregend ist dabei die Tatsache, dass all diejenigen Kräfte, die sich im Zuge der Debatte um Köln plötzlich als Frauenrechtler ‚entpuppten‘, diejenigen sind, die zuvor jahrzehntelang Hindernisse im Kampf um Frauenrechte waren. So hat beispielsweise die CSU-Fraktion 1990 im Bundestag dagegen gestimmt, Vergewaltigung in der Ehe zum Straftatbestand zu erklären. Aus der Sicht dieser reaktionären und religiös-fundamentalistischen Partei gehörte es schlichtweg zum Normalbetrieb der bürgerlichen Ehe, dass die Frau keine Verfügungsgewalt über ihren eigenen Körper hatte.

Die AfD hat während des Wahlkampfs in Baden-Württemberg auf Plakaten damit geworben, „unsere“ Frauen und Mädchen schützen zu wollen. Wir fragen uns: Wer schützt Frauen und Mädchen vor der rückständigen Politik der AfD? Die sogenannte Alternative für Deutschland wirbt für eine Rückkehr zu den Rollenbildern des vorletzten Jahrhunderts. Sie fordert eine Verdrängung von Frauen aus der Erwerbstätigkeit. Dass zwei Frauen – Frauke Petry und Beatrix von Storch – sich als federführend bei dieser Politik erweisen, ist in unseren Augen kein Widerspruch, denn diese beiden Frauen vertreten die Interessen ihrer Klasse.

Frauke Petry als Kapitalistin und Beatrix Storch als Adelige gehören zu dem Teil der Gesellschaft, den wir als „herrschende Klasse“ bezeichnen. Die herrschende Klasse beutet die anderen Klassen aus, indem sie sich deren Arbeitskraft aneignet und so Profite macht. Es nützt der herrschenden Klasse, Frauen gegen ihre männlichen Kollegen auszuspielen und sie als Lohndrückerinnen zu benutzten. Es nützt der herrschenden Klasse, Billiglohnbranchen zu etablieren, in denen Frauen für wenig Geld schuften müssen. Es nützt der herrschenden Klasse, Vergewaltigung als Kriegswaffe einzusetzen, um sich andere Länder unterwerfen zu können.

Darum sagen wir: Es gibt kein gemeinsames Interesse aller Frauen! Kampf für die Rechte der werktätigen Frauen heißt darum auch Kampf den rassistischen Brandstiftern von der AfD!

und Frauenfeind bleibt Frauenfeind

Unsere Feindin heißt Angela Merkel, weil sie die Interessen eines imperialistischen deutschen Staates vertritt. Sie steht stellvetretend für die Verarmungspolitik der Europäischen Union in Griechenland, die unter anderem die Rechte der arbeitenden Frauen angreift. Unsere Feindin heißt Ursula von der Leyen, die als deutsche Kriegsministerin an der Zerstörung Syriens arbeitet und damit auch die Rechte der dort lebenden Frauen mit Füßen tritt.

Wir stellen uns gegen die in der Frauenbewegung verbreitete Illusion, alle Frauen sollten gemeinsam für die Erringung ihrer Rechte kämpfen. Denn die Unterdrückung der Frau ist nicht durch „die Männer“ in die Welt gekommen. Die Geburtsstunde der Frauenunterdrückung war die Entstehung der Klassengesellschaft. Daher heißt es für uns am 30. April wie am 1. Mai: Klasse gegen Klasse! Kampf dem Kapital! Der Kampf um Befreiung ist international!

Frauentag collageAm 7. März fand anlässlich des jährlichen Frauenkampftages am 8. März eine Kundgebung in Tübingen statt. Bei der mehrstündigen Veranstaltung auf dem Holzmarkt waren viele verschiedene Tübinger Gruppen mit Info-Tischen, Aktionen und Flyern vertreten – und so auch wir.

Obwohl Frauen in vielen gesellschaftlichen Bereichen benachteiligt werden, bekommt man am Frauenkampftag häufig die Frage gestellt, wofür man denn „heute noch“ auf die Straße gehen müsste. Zwei Genossinnen von uns griffen die Frage in ihrem kämpferischen Redebeitrag auf. Lest selbst, was sie als Antwort gegeben haben: FLYERTEXT

Susann-Witt-Stahl in Stuttgart

Am 8. März war Susann Witt-Stahl anlässlich des internationalen Frauenkampftags in Stuttgart. Bei einer Veranstaltung von DKP und DIDF hielt sie einen fundierten Vortrag über die Situation in der Ukraine, wo sie mehrere Monate als Reporterin arbeitete.

 

Hier könnt ihr unser frauenpolitisches Grußwort nachlesen:

Liebe Genossinnen und Genossen, Freundinnen und Freunde,

warum sollen wir im Jahr 2015 überhaupt noch gegen Frauenunterdrückung auf die Straße gehen? Sind Frauen in Deutschland nicht schon längst emanzipiert? Das Wahlrecht ist längst erkämpft, wir dürfen uns ausbilden lassen, studieren und – zumindest in der Theorie – alles werden, was wir wollen, ob Mechanikerin, Professorin oder Managerin. Wir werden heute nicht mehr kriminalisiert, wenn wir uns das Recht auf ein selbstbestimmtes Sexualleben außerhalb der Ehe herausnehmen. Schwangerschaftsabbrüche müssen heute nicht mehr illegal und lebensgefährlich in dunklen Hinterzimmern durchgeführt werden. Sogar das Militär, neben der Kirche eine der ältesten Männerbastionen, hat mittlerweile seine Tore für das angeblich „schwache Geschlecht“ geöffnet. Glaubt man der Image-Propaganda von Kriegsministerin Ursula von der Leyen, dann wimmelt es in der Bundeswehr geradezu von schwer bewaffneten, gut aussehenden jungen Frauen in Uniform, die Auslandseinsätze in der Kampfzone, Karriere an der Bundeswehr-Uni und kinderreiche Großfamilie spielend unter einen Hut bekommen. Und selbst die Kanzlerin, die die Kriegseinsätze dieser emanzipierten jungen Soldatinnen auf höchster Ebene plant, ist eine Frau. Gekämpft wird natürlich nicht für die Profitinteressen deutscher Banken und Konzerne, sondern für Demokratie und Frauenrechte in Afghanistan. So weit, so erfreulich.

Aber gehört dann der internationale Frauentag nicht längst auf den Müllhaufen der Geschichte? Ist die umfassende Emanzipation der Frau nicht schon lang eine soziale Wirklichkeit? Weit gefehlt! Ein kritischer Blick hinter die bunte Propagandakulisse zeigt: in Wirklichkeit sieht das Bild wesentlich düsterer aus.

Klassische Rollenbilder sind wieder auf dem Vormarsch, Alltagssexismus begegnet uns nahezu überall und auch auf dem Arbeitsmarkt ist die Situation für Frauen in der Regel deutlich schlechter als für Männer. Frauen verdienen durchschnittlich immer noch etwa 23% weniger als Männer und überdurchschnittlich viele Frauen befinden sich in prekären Arbeitsverhältnissen.

Die geringfügige Beschäftigung im Erwerbsleben wirkt sich katastrophal auf die Rente aus: Frauen erhalten im Durchschnitt 59% weniger Rente als Männer. Altersarmut und weitere Minijobs sind keine Seltenheit für Frauen,um im Alter mehr schlecht als Recht über die Runden zu kommen. Es bleibt außerdem eine traurige und schockierende Tatsache, dass jede dritte Frau weltweit in ihrem Leben Opfer einer Vergewaltigung oder sexualisierter Gewalt wird. Die Täter stammen fast immer aus dem engeren sozialen Umfeld. Häusliche Gewalt gehört für Frauen zu den statistisch größten Gesundheitsrisiken und mit zu den häufigsten Todesursachen. Mehr als genug Grund also, um sich zu wehren!

Was nützen uns Frauenquoten in Konzernvorständen und weibliche SpitzenpolitikerInnen, wenn den meisten von uns das Geld zum Leben nicht reicht, wir unsere prekären Jobs sofort wieder verlieren, wenn wir schwanger werden oder wir nach der Schwangerschaft keinen Job mehr finden, weil es weit und breit keine Kitaplätze gibt?

Die Verhältnisse sind nicht zufällig so eingerichtet, sondern sie haben System – und das Kapital hat großes Interesse daran, dass sie auch so bleiben. Im Kapitalismus sorgt die soziale Schlechterstellung der Frauen dafür, dass der Großteil der unbezahlten Reproduktionsarbeit im Haushalt auf Frauen abgewälzt wird, außerdem bringt sie Frauen als Lohndrückerinnen gegenüber ihren männlichen Kollegen in Stellung. Die kapitalistischen Verhältnisse zwingen Frauen in die ökonomische Abhängigkeit von Männern. Hier liegen nicht nur die sozialen Ursachen für die fortschreitende Prekarisierung der weiblichen Arbeiterklasse, sondern es sind eben diese Verhältnisse, die Sexismus, sexuelle Ausbeutung von Frauen und sexualisierte Gewalt hervorbringen.

Diese Unterdrückung und doppelte Ausbeutung der Frauen im Kapitalismus beruht nicht auf einer unveränderlichen Naturnotwendigkeit, wie uns bürgerlich-konservative Ideologen seit Jahrhunderten glauben machen wollen. Genau so wenig handelt es sich bei Sexismus und Frauenunterdrückung aber um ein rein ideologisches Problem, ein soziales „Konstrukt“, das man einfach „dekonstruiern“, wegkritisieren oder durch geschlechtsneutrale Sprachregelungen aus der Welt schaffen könnte, wie Teile des bürgerlich-postmodernen Feminismus behaupten.

Für uns als Kommunistinnen und Kommunisten muss klar sein, dass es sich bei den Geschlechterverhältnissen im Kapitalismus um soziale Verhältnisse handelt, die nur grundlegend geändert werden können, wenn sich die Gesellschaft grundlegend ändert. Die Geschlechterfrage kann nicht losgelöst von der sozialen Frage, nicht losgelöst von unserer revolutionären Perspektive behandelt werden. Alexandra Kollontai, Weggefährtin Lenins und eine der wichtigsten Kämpferinnen der Oktoberrevolution, hat es auf den Punkt gebracht: „Ohne Sozialismus keine Befreiung der Frau – ohne Befreiung der Frau kein Sozialismus!“

Heute trennt uns ein scheinbar unüberwindbar weiter Weg von diesem Ziel. Umso wichtiger ist es, dass wir all unsere Kraft, all unseren Kampfgeist und all unseren Mut zusammen nehmen, und uns wieder auf den Weg machen. Unsere Bewegung muss wieder stärker und jünger werden. Deshalb braucht ihr als Partei uns – den kommunistischen Jugendverband – in dem junge Menschen zu einer neuen Generation von Kämpferinnen und Kämpfern für unsere gemeinsame Sache heranwachsen. Und dazu brauchen wir euch, euren Erfahrungsschatz, euer Wissen und eure tatkräftige Unterstützung.

Es gibt keine revolutionäre Perspektive ohne eine starke und kämpferische Arbeiterbewegung. Es gibt keine revolutionäre Perspektive ohne klassenorientierte Gewerkschaften, die anstatt von den gemeinsamen Interessen sogenannter „Sozialpartner“ zu schwadronieren, konsequent das Interesse der breiten Masse der lernenden und arbeitenden Menschen vertreten. Es gibt keine revolutionäre Perspektive ohne breite Widerstandsbewegungen auf der Straße, die sich Faschismus, Krieg und den Angriffen des Kapitals auf unsere sozialen Rechte entgegenstellen. Und es gibt erst recht keine revolutionäre Perspektive ohne eine Kommunistische Partei, die stark und entschlossen genug ist, sich in diesen Kämpfen als Avantgarde zu beweisen und vom bloßen Widerstand in die Offensive überzugehen.

Und zu guter Letzt: Ohne revolutionäre Perspektive gibt es auch keine Befreiung der Frau – lasst uns also gemeinsam für die Wiedergewinnung dieser Perspektive kämpfen!

 

 

Roter Tresen am 10. März 2015 um 20 Uhr im Club Voltaire, Haaggasse 26b, Tübingen

Anlässlich des internationalen Frauenkampftags am 08. März wird das Thema des Abends die Situation junger Frauen in unserer Gesellschaft sein. Denn seit der Einführung des Frauentags 1911 hat sich zwar einiges getan, doch von einer wirklichen Gleichberechtigung kann noch lange keine Rede sein. Klassische Rollenbilder sind wieder auf dem Vormarsch, Alltagssexismus begegnet einem nahezu überall und auch auf dem Arbeitsmarkt ist die Situation für Frauen in der Regel deutlich schlechter als für Männer. Frauen verdienen durchschnittlich 22-23 % weniger als Männer und viele Frauen befinden sich in prekären Arbeitsverhältnissen. So sind beispielsweise 65 % der ausschließlich geringfügig Beschäftigten Frauen.

Einer dieser prekären Berufe ist der der „Putzfrau“. Nach einer allgemeinen Einführung werden wir gemeinsam den Film „Aufstand der Putzfrauen. Kein Job, kein Geld, aber Power!“ anschauen. Darin dokumentiert die Regisseurin Monika Schäfer den Kampf von 30 Frauen um ihren Arbeitsplatz. Als die Firma, für die die Frauen arbeiten insolvent geht, sollen sie von heute auf morgen ihren Job verlieren. , auch die Lohnzahlung bleibt wochenlang aus. Das wollen und können sich die Frauen nicht gefallen lassen. Sie schließen sich zusammen und beginnen sich zu wehren. Ihr Kampf besteht aus Protestaktionen gegen den Chef – wie beispielsweise das Verstecken von Dienstwagen – bis hin zur Planung der Gründung einer eigenen Firma. In die Lage versetzt mit allen Mitteln um ihre Existenz kämpfen zu müssen, machen die Frauen die Erfahrung, dass der gemeinsame Kampf nicht nur effektiver ist, sondern auch wesentlich mehr Spaß macht.

Im Anschluss an den Film besteht wie immer die Möglichkeit über das Thema zu diskutieren und den Abend in netter Atmosphäre ausklingen zu lassen.

Wo? Club Voltaire, Haaggasse 26 b, Tübingen

Wann? Dienstag, 10.03.15, 20 Uhr

Weltweit wird jede dritte Frau im Laufe ihres Lebens vergewaltigt oder geschlagen. Trotz dieses erschreckenden Ausmaßes werden die Opfer von Übergriffen häufig mit der Bewältigung der Tat allein gelassen. Anstatt anzuerkennen, dass es sich um ein gesellschaftliches Problem handelt, wird Gewalt gegen Frauen als „individuelles Pech“ oder „erschreckender Einzelfall“ dargestellt – und manchmal wird sogar den Opfern die Schuld für das Verbrechen gegeben.

Die weltweite Demonstration „One Billion Rising“ macht auf diese Missstände aufmerksam. Sie findet seit 2013 jedes Jahr am 14. Februar statt. Die Teilnehmenden protestieren gegen Gewalt an Frauen und zeigen ihre Solidarität mit den Betroffenen.

Für uns als SDAJ ist klar, dass wir diese Demonstration unterstützen. Wir sehen Gewalt an Frauen als gesellschaftliches Problem und nicht als natürliche Gegebenheit. Darum denken wir, dass man die Gesellschaft verändern muss, um Gewalt gegen Frauen zu verhindern.

Gemeinsam mit den anderen TeilnehmerInnen sammelten wir uns daher am 14. Februar ab 16 Uhr auf dem Europaplatz. Von dort ging es los in Richtung Marktplatz. Mit unserem blauen „Fight-for-your-Rights!“-Transparent liefen wir im hinteren Teil der Demonstration und verteilten unser Flugblatt (s. unten). Dabei ergaben sich viele interessante Gespräche mit anderen TeilnehmerInnen.

Die Demonstration machte jeweils Zwischenstopps auf der Neckarbrücke und dem Holzmarkt, wo einige TeilnehmerInnen den Tanz aufführten, der eigens für One Billion Rising entwickelt wurde. Auf der Strecke dazwischen sorgte die Samba-Gruppe ordentlich für Stimmung. Die Abschlusskundgebung fand schließlich auf dem Marktplatz vor dem Rathaus statt, wo trotz Kälte mehrere Hundert Personen teilnahmen.

Wir freuen uns, dass diese Aktion in Tübingen stattfindet und bedanken uns bei den VeranstalterInnen für die Organisation. Wir denken aber, dass die Ausrichtung von One Billion Rising – Tanzen, um auf Gewalt gegen Frauen aufmerksam zu machen und für sich selbst Energie zu schöpfen – die Gewalt nicht verhindern wird. Eben weil es sich nicht um ein individuelles, sondern ein strukturelles Problem handelt, muss der Kampf gegen Frauenunterdrückung ein Adressat haben: Den kapitalistischen Staat und das von ihm protegierte Wirtschaftssystem. Frauenunterdrückung ist kein Naturgesetz – wir fordern Gleichberechtigung auf allen Ebenen! Und dafür sind wir auch nächstes Jahr wieder mit dabei wenn es heißt: Schluss mit seelischer und körperlicher Gewalt an Mädchen und Frauen! Hoch die internationale Solidarität!

Du hast Lust, dich politisch zu engagieren oder möchtest mit uns über unsere Positionen diskutieren? Dann melde dich unter  kontakt@tuebingen.sdaj-bawue.de . Wir freuen uns auf Dich!

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SDAJ Tübingen Flyer bei One Billion Rising

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One billion rising against patriarchy!

Gewalt gegen Frauen ist kein individuelles „Pech“ sondern hat System. Es hilft daher nicht, nur an das „Mitgefühl“ von Männern persönlich zu appellieren, sondern das Problem muss als Folgeproblem dieser Gesellschaft, dieser Wirtschaftsform und des Staates der sie absichert, verstanden und bekämpft werden:

Im Kapitalismus werden klassische Frauenberufe (z.B. Erzieher*in,Pflegeberufe, Kassierer*in) äußerst schlecht bezahlt, sodass für diese Kolleginnen und Kollegen ein eigenständiges Leben mit Kindern nicht möglich ist. Auch in besser bezahlten Berufen haben Frauen schlechtere Chancen: In Bewerbungsverfahren wird eine mögliche Schwangerschaft als Risiko gewertet und später führt die „Babypause“, die meist von Frauen genommen wird, zu einem Wettbewerbsnachteil gegenüber den Kollegen. Aus diesen Gründen ergibt sich zwischen Männern und Frauen ein Einkommensunterschied von durchschnittlich 22%. Frauen fungieren im Kapitalismus häufig als Lohndrücker*innen, was sich negativ auf alle Löhne auswirkt. Billige Frauenarbeit liegt also im Interesse der Konzerne, um die Arbeiter*innenklasse zu spalten.

Die wirtschaftlichen Verhältnisse fördern also weibliche Abhängigkeit und begründen somit ein Machtverhältnis zwischen den Geschlechtern was letztendlich auch physische und verbale Gewalt gegenüber Frauen begünstigt. Diese Ungerechtigkeit lässt sich nur aufrechterhalten, weil frauenfeindliche Vorstellungen immer noch tief in der Gesellschaft verankert sind. Sexismus erfüllt für den Kapitalismus also eine wichtige Funktion. Deshalb kann er auch nur durch die Abschaffung des Kapitalismus endgültig verschwinden.

Alltagssexismus und Macho-Gehabe sind in der Gesellschaft und den Köpfen verankert. Belästigungen in der Öffentlichkeit und sexistische Sprüche im Bekanntenkreis werden als „Flirten“ oder „Witze“ entschuldigt und wer einen kurzen Rock trägt, soll ja bekanntlich selbst schuld sein. In einer solchen Tätergesellschaft werden Täter entschuldigt und Opfern wird die Schuld zugeschoben.

Fast alle Gewaltverbrechen passieren in Beziehungen Die Frauen kennen die Täter also schon vorher (Partnerschaft, Familie, Arbeitskollegen, Bekanntenkreis). Die Hemmschwelle sich zu wehren oder Anzeige zu erstatten ist in diesen Fällen noch höher. Institutionen wie Frauenhäuser können hier helfen doch sind – wie so viele soziale Einrichtungen – chronisch unterbezahlt. Was keinen Profit abwirft, hat im Kapitalismus natürlich keine Priorität. Auch in Tübingen fehlt momentan eine Beratungsstelle für Opfer sexualisierter Gewalt. Ob die Stadt hierfür einen Zuschuss gewährt, ist noch nicht sicher.

Der Staat in dem wir leben schafft nicht die rechtlichen Bedingungen, um Frauen vor Gewalt zu schützen. Rechtliche Verbesserungen mussten schon immer gegen einen patriarchalen Staat erkämpft werden. Beispiele hierfür sind das Wahlrecht für Frauen oder die strafrechtliche Verfolgung von Vergewaltigungen in der Ehe. Erst seit 1997(!) gilt dies als eine Straftat!

Und auch heute noch führt der umstrittene § 177 StGB dazu, dass die allermeisten Vergewaltigungen straflos bleiben. „Nein!“ sagen oder Weinen gelten nicht als ausreichende Gegenwehr. Nur wenn die Opfer schwere Verletzungen vorzuweisen haben, kann eine Vergewaltigung zur Verurteilung führen. 2012 führten daher nur 8,4%(!) der angezeigten Vergewaltigungen zu Verurteilungen. Und: Verbale Belästigung oder Stalking kann man nicht einmal anzeigen!

Wir fordern:

  • Solidarität gegen Alltagssexismus! Seht nicht weg, wenn vor euch Frauen belästigt oder wie Menschen zweiter Klasse behandelt werden!
  • Änderung des § 177 StGB, sodass jede Vergewaltigung strafbar wird
  • Eine deutliche Aufwertung der Sozial- und Pflegeberufe. Frauen brauchen ein Einkommen, das sie unabhängig macht!
  • Gleicher Lohn für gleiche Arbeit! Schluss mit der schlechteren Bezahlung von Frauen!
  • Mehr öffentliche Gelder für das städtische Frauenhaus und das Frauenprojektehaus in Tübingen!

Gemeinsam gegen Ausbeutung, Sexismus und frauenverachtende Gewalt

Am Samstag den 8. März wird es in Tübingen auf dem Holzmarkt ab 11:00 Kundgebungen und Infostände zum Frauentag geben.

Am Sonntag den 9. März findet im Waldheim Gaisburg in Stuttgart eine gemeinsame Veranstaltung von DKP und SDAJ zum Thema “Jung, weiblich, prekär – nicht mit uns!” statt. Es wird während der Veranstaltung einen Infostand der SDAJ und viele Möglichkeiten, mit GenossInnen ins Gespräch zu kommen, geben. Wir freuen uns über euer kommen!

Am 11. März beginnt unsere vierteilige Filmreihe im Rahmen des Roten Tresens (immer im Club Voltaire): „Ihr Leben für die Revolution…“ Die Veranstaltungsreihe stellt die Rolle des Geschlechts bzw der Geschlechterrollen im Kapitalismus und die Erfahrungen aus den Kämpfen gegen diese Form der Unterdrückung in den Mittelpunkt. Wir freuen uns auf vier spannende Filme und vier spannende Diskussionsabende.

“Kein Sozialismus und Befreiung der Frau – Keine Befreiung der Frau ohne Sozialismus” (Alexandra Kollontai)

Frauentag VorderseiteFrauentag Rückseite

logo_lilaUnser Redebeitrag auf der Veranstaltung der DKP Stuttgart zum Internationalen Frauentag:

Liebe Freund_innen, Liebe Genoss_innen,

Wir bedanken uns für die Gelegenheit, hier für die Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend Tübingen sprechen zu dürfen. Für uns als Kommunist_innen ist der Internationale Frauentag grundsätzlich mit dem Kampf gegen das kapitalistische Herrschaftssystem verbunden. Letztlich ist es der Kapitalismus, der eine Gleichheit von Mann und Frau verhindert, indem er die Frau entweder auf die häuslichen Reproduktionsarbeiten beschränkt oder in die am schlechtesten bezahlten Segmente der Lohnarbeit abdrängt. Hinzu kommen für Frauen und Mädchen in unserer Gesellschaft aber auch besondere Probleme wie Gewalt oder die Abwälzung der gesellschaftlichen Verantwortlichkeit für die Kindererziehung auf die Frau. Weltweit werden bis zu 70% der Frauen im Laufe ihres Lebens Opfer von Gewalttaten.

Entscheidend für die Lebenslage von Frauen und Mädchen ist aber nicht in erster Linie ihr Geschlecht, sondern ihre Klassenzugehörigkeit. Denn auch die große Mehrheit der Jungen und Männer wird von der Herrschaft des Kapitals unterdrückt und ihrer Lebenschancen beraubt. Und das Kapital hat kein Geschlecht, unter den Herrschenden in dieser Gesellschaft befinden sich Männer wie Frauen. Deshalb sind Forderungen nach „mehr Frauen in Führungspositionen der Wirtschaft“ falsch und irreführend. Ein Austausch des kapitalistischen Herrschaftspersonals nützt der großen Mehrheit der Menschen, egal ob Mann oder Frau, überhaupt nichts.

Viele Menschen in Deutschland, auch viele Frauen, würden sagen, dass hierzulande die Gleichheit von Mann und Frau im Wesentlichen schon erreicht sei. Sind Männer und Frauen nicht gleich vor dem Gesetz? Haben wir nicht sogar eine Frau als Kanzlerin?

Eine formelle Gleichstellung kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass im realen Leben von Gleichheit oft keine Rede sein kann. Immer noch verdienen Frauen im Schnitt 23% weniger als ihre männlichen Kollegen, auch wenn sie oft dieselbe Arbeit machen. Der Niedriglohnsektor in Deutschland ist überwiegend von Frauen geprägt: Über 70% der prekär Beschäftigten und 80% aller Teilzeitbeschäftigten sind Frauen. Die meisten Berufe, die typischerweise von Frauen ausgeübt werden, sind von besonders schlechten Löhnen gekennzeichnet. Die schlechtere Bezahlung der Mädchen und Frauen steht in krassem Gegensatz zu der Tatsache, dass Mädchen öfter als Jungen ihr Abitur machen.

In einer kapitalistischen Gesellschaft, in der nicht für die Bedürfnisse der Menschen produziert wird sondern für den Profit, wird Schwangerschaft als Risiko gesehen und gilt daher als Grund, eine Frau nicht einzustellen. Der Mangel an Kita-Plätzen zwingt viele Frauen dazu, sich zwischen Familie und Beruf zu entscheiden. Frauen haben deshalb immer eine schwächere Verhandlungsposition gegenüber dem Unternehmer und werden dementsprechend als Lohndrückerinnen missbraucht.

In einer bürgerlichen Tageszeitung sind Frauen zu Krisengewinnerinnen erklärt worden, weil die Ausweitung der sogenannten atypischen Beschäftigungsverhältnisse in der Krise derzeit vor allem Männer betrifft. Die Autorin dieses Artikels sollte man vielleicht einmal fragen, was eine Arzthelferin mit weniger als 1500 € im Monat davon hat, wenn Männer ihren Job verlieren. In Wirklichkeit richten sich die Angriffe des Kapitals in der Krise immer zuerst gegen die prekär Beschäftigten und die sind nun mal in ihrer Mehrzahl Frauen.

Die sogenannte Sparpolitik des Staates in der Krise, vor allem auf kommunaler Ebene, trifft uns alle, aber Frauen besonders. Wenn an Jugendzentren, Schwimmbädern und Betreuungsangeboten gespart wird, müssen zumeist die Mütter wieder mehr Zeit für die Betreuung der Kinder aufbringen. Außerdem drängen die Stellenkürzungen im sozialen Bereich vor allem Frauen in die Arbeitslosigkeit.

Es gibt aber auch Frauen, die tatsächlich in der Krise gewinnen. Das sind die Frauen in den Vorstandsetagen der Konzerne und die Großaktionärinnen, denen der Staat in der Krise mit Milliarden Euros aushilft. Die Rechnung dafür bekommen wir und unsere Kinder.

Aber ist das alles alternativlos?

Kuba zeigt, dass es auch anders geht. Dort verfolgt man das Konzept der vollständigen Gleichheit. Das bedeutet erstens die ökonomische Gleichheit von Frauen, indem Frauen sehr breit in die Produktion eingebunden werden. Zweitens ist es auf Kuba selbstverständlich, dass Frauen soziale und politische Verantwortung übernehmen. Noch wesentlicher als das formale Wahlrecht für die Gleichstellung der Frauen sind politische Mitarbeit und Bildung. Daher spielten Frauen bei der Alphabetisierungskampagne und in den Volksmilizen eine herausragende Rolle. Sie sind heute, auf allen Ebenen, Teil der Arbeits- und Bildungswelt.

Und drittens sind Frauen in Kuba rechtlich und politisch gleichgestellt. Frauen haben ein verfassungsmäßiges Recht auf Mutterschaftsurlaub und auf Berufsoptionen nach und vor der Geburt, die mit ihrer Mutterschaft vereinbar sind. Noch konkreter schreibt Kubas Familienrecht vor, dass häusliche Arbeit und Kindererziehung gleichermaßen auf beide Geschlechter verteilt werden müssen. Die Wirksamkeit dieser revolutionären Umstrukturierungen wird durch folgende Tatsachen bestätigt. Heute stellen Frauen -mit 65% die Mehrheit der Kubaner mit höherer Bildung. Heutzutage ist der Prozentsatz der weiblichen Abgeordneten, Anwälte, Ärzte und Naturwissenschaftler einer der höchsten im Vergleich mit jedem anderen Land auf dieser Welt. Der Frauenanteil bei technischen Berufen liegt bei 66% und der Anteil von weiblichen Führungskräften bei 39%. Das Verhältnis zwischen Männern und Frauen im kubanischen Parlament ist fast ausgeglichen. Ferner spielen Mädchen und junge Frauen eine große Rolle in den politischen Jugendorganisationen, in denen ihr Anteil 54% beträgt.

Wir als SDAJ organisieren unter dem Motto „Viva Cuba Socialista-Machen wir den Kapitalismus zur Geschichte“ 2 Brigarden um den Aufbau des „Zentrums zur Bildung revolutionärer Werte“ an der Uni in Havanna zu unterstützen.

Der große Unterschied in Kuba ist, dass Produktion und Verteilung nicht in Privathand sind und nicht über den Markt organisiert werden – auf Kuba gehören die Produktionsmittel den Arbeiterinnen und Arbeiter. Es gibt das verfassungsmäßige Recht auf Arbeit, kostenlose Bildung und Gesundheit. Zukunftsangst ist unbekannt. Wer auf Cuba studieren möchte, bekommt das Studium und den Lebensunterhalt bezahlt. Dies gilt auch für die etwa 15% ausländischen Studierenden aus Entwicklungsländern. Während in der BRD besonders uns Jugendlichen das Recht auf Arbeit und damit das Recht auf Beteiligung am gesellschaftlichen Leben verwehrt wird. Mehr als 300.000 Ausbildungsplätze fehlen. Bekommen wir einen Ausbildungsplatz steht jeder Dritte von uns ohne Übernahme auf der Straße. Wenn wir einen Job finden, ist der befristet, Leiharbeit oder ein Minijob. Etwa die Hälfte von uns Jugendlichen arbeitet in prekären Beschäftigungsverhältnissen. Von Sicherheit kann keine Rede sein.

2011 hat der kubanische Staat einen Entwurf zur „Aktualisierung des Wirtschaftssystems“ zur Diskussion gestellt und rund 8 Mio. Kubaner und Kubanerinnen beteiligten sich an der Debatte und brachten über 1,1 Mio. Änderungsanträge ein. In Deutschland hat das Volk sich nicht selbst eine Verfassung gegeben. An der Verfassung mitarbeiten? Undenkbar. Die kubanischen Arbeiterinnen und Arbeiter haben sich Instrumente und einen eigenen Staat geschaffen, um Probleme gemeinsam und geplant anzugehen und ihre Interessen und Bedürfnisse zu befriedigen.

Und auch die Geschichte hat gezeigt, dass es anders geht. In der DDR waren den Frauen die meisten der heutigen Probleme unbekannt: Ihre Kinder hatten in den Schulen und Kindergärten kostengünstige Mahlzeiten und kostenlose und qualitativ hochwertige Freizeitangebote in Sport, Musik und Kultur. Die Ausstattung mit Kita-Plätzen war nahezu flächendeckend. Frauen wie Männer genossen über ihren Arbeitsplatz Sicherheit und umfassende soziale Rechte. All das wurde durch die Zerstörung des sozialistischen Systems ausgelöscht, die Emanzipation der Frau um Jahrzehnte zurückgeworfen.

Solche Errungenschaften geraten in Konflikt mit dem Interesse der Kapitalisten, die natürlich nicht auf einen Teil ihres Gewinns verzichten wollen, nur damit wir ein besseres Leben haben.

Kämpfen wir für ein sozialistisches Deutschland, das die Fehler und Mängel der DDR vermeidet. Jeder Zentimeter muss erkämpft werden und das geht nur mit starken Organisationen. Wir brauchen einen starken kommunistischen Jugendverband, eine starke revolutionäre kommunistische Partei, konsequente Gewerkschaften in allen Betrieben und Organisationen der klassenkämpferischen Frauen!

Wir kämpfen dafür, dass die Frau in der Gesellschaft dem Mann völlig gleichgestellt wird. Aber auch wenn wir der Meinung sind, dass nur die Überwindung des Kapitalismus und der Sozialismus eine solche Gleichheit herstellen können, wollen wir sie dennoch so weit wie möglich schon auf unserem Weg dahin verwirklichen.

Wir fordern:

  • Gleicher Lohn für gleiche Arbeit!
  • Kostenlose Ganztagsplätze in KiTas und Schulen!
  • Das Recht auf einen sicheren Arbeitsplatz nach einer Geburt ohne jegliche Nachteile!
  • Der 8. März muss als Internationaler Frauentag gesetzlicher Feiertag werden!

 

Wir die SDAJ Tübingen wünschen euch viel Erfolg mit dem weiteren Programm!

Hoch die internationale Solidarität!

Communist_cutGleichberechtigt? POSITION hat nachgefragt.

Unsere Regierung tut zumindest manchmal so, als wollte sie die Gleichberechtigung der Frau voranbringen. Dumm nur, dass sie sich dabei vor allem um bessergestellte, hochqualifizierte Frauen kümmert. Frauen aus der Arbeiterklasse bekommen für die gleiche Arbeit immer noch weniger Geld – da hilft es auch nichts, wenn im Konzernvorstand eine Managerin sitzt. Wenn die Möglichkeiten zur Kinderbetreuung fehlen, sind es meist die Frauen, die ihren Beruf aufgeben und zu Hause bleiben müssen. Und noch immer sind wir im Alltag mit reaktionären Rollenbildern konfrontiert.

All das wird keine bürgerliche Regierung ändern. Denn das Kapital hat ein Interesse daran, Frauen als Lohndrückerinnen einzusetzen und Kinderbetreuung und Hausarbeit zur Privatsache zu machen. Grund genug, für die Gleichberechtigung der Frau und gegen den Kapitalismus zu kämpfen – nicht nur am Frauentag.

Eine unserer Leistungen

Erika Baum (88, Berlin) war Lehrerin in der DDR.

„Es reicht nicht aus, die Forderung nach der Gleichberechtigung der Frau in die Welt zu posaunen, sondern dafür müssen ja auch die Voraussetzungen bestehen. In diesem wunderbaren Großdeutschland sind Frauen häufiger arbeitslos als Männer, sie sind die ersten, die rausfliegen, wenn es Entlassungen gibt. Ich als DDR-Frau war bis zur Rente immer berufstätig, heute haben es die Frauen ganz schwer, das zu erreichen. Die Gleichberechtigung schafft man nicht mit Formalismen. Zum Beispiel nach 89, nachdem wir angeschlossen waren, sagte in einem Gespräch eine DDR-Frau, sie sei Germanist. Also, sie sagte nicht Germanistin, worauf sie sofort korrigiert wurde. Der Witz war aber, dass diese Frau – nachdem die DDR nicht mehr existierte – weder Germanist noch Germanistin war, sondern Hausangestellte, weil sie rausgeschmissen worden war. Also, ich meine, das Entscheidende ist nicht die Sprachregelung. Die Arbeiterbewegung hat immer, von Anfang an, Frauenfragen im Zusammenhang mit dem allgemeinen Klassenkampf aufgegriffen. Und in dem Maße, wie die Frauen an diesen Kämpfen teilgenommen haben, haben sie sich auch entwickelt. Das ist das eine, und das andere sind eben die materiellen Voraussetzungen. Ich bin der Meinung, dass es eine unserer großen Leistungen in der DDR war, wie hoch der Anteil der Frauen an den qualifizierten Berufen war, an Facharbeiterinnen, an Studierenden und so weiter. Aber auch, dass die Kinderbetreuung gesichert war, dass die Familien von einem Teil der Hausarbeit entlastet wurden – durch öffentliche Waschanstalten, oder auch durch Essen in den Betrieben und Schulen, da war die Kocherei am Abend nicht mehr so notwendig. Wir haben also versucht, die materiellen Bedingungen für die Gleichberechtigung zu schaffen.“

Nur für Männer

Caro (Essen) hat sich als Tischlerin beworben.

„Ich bin nie davon ausgegangen, dass es für mich schwierig sein würde, mit Abitur einen Ausbildungsplatz zu finden, obwohl ich natürlich weiß, wie entmutigend und kritisch die Lage auf dem Arbeitsmarkt aussieht. Doch nach meinen ersten Telefonaten mit Tischlereien in Essen schwand meine Hoffnung, denn immer wieder wurde mir gesagt, dass keine Frauen ausgebildet werden. Diese Tatsache ist nicht nur kritisch, sondern diskriminierend jeder Frau gegenüber, die in dieser sogenannten emanzipierten Welt einen ‘Männerberuf’ ergreifen möchte. Viele Unternehmen redeten sich damit raus, dass sie für eine Frau extra sanitäre Anlagen bauen müssten, andere gaben gar nicht erst einen Grund an, sondern sagten mir von vornherein, dass ich meine Bewerbungsunterlagen gar nicht erst abschicken brauche. Oder sagten mir, sie glauben nicht, dass eine Frau das Zeug dazu hätte, Handwerkerin zu werden. Dass ich im Endeffekt bei einem gut bezahlenden Großkonzern gelandet bin, war Zufall und pures Glück, sonst wäre ich jetzt arbeitslos oder Studentin.“

Auszeit undenkbar

Gianna (Münster) wollte Kind und Beruf.

„Seit dem Ende meines Studiums reiht sich ein befristeter Vertrag an den nächsten. Familienplanung ist damit kaum möglich. Trotzdem wollte ich auf meinen Kinderwunsch nicht verzichten und so kam vor etwa zwei Jahren meine Tochter auf die Welt. Eine Auszeit im Beruf war jedoch undenkbar. Damit wären die Chancen auf einen Anschlussvertrag gegen null gesunken. Zum Glück war mein Partner bereit in Elternzeit zu gehen. Nur konnte ich langfristig mit meinem Gehalt für eine halbe Stelle unmöglich eine Familie ernähren. Deshalb starteten wir schon frühzeitig die Suche nach einer Kita. Doch alle Anrufe, Besichtigungen, Vorstellungsgespräche, Hospitationen u.s.w. waren trotz Bewerbungen in über zwanzig Einrichtungen leider erfolglos. Nur durch Glück bekamen wir etwas später einen Platz in der Betriebskita. Die schließt allerdings um 15 Uhr, so dass sich nachmittags immer jemand um die Kleine kümmern muss, obwohl ich die Zeit dringend für meine Weiterqualifikation bräuchte, die in meinem Bereich extrem wichtig ist. Für politische Arbeit, für Sport oder für Freunde bleibt da wenig Zeit.“