Uni Tübingen schenkt Kriegstreiber Gauck 50.000 Euro

Der Ex-Bundespräsident Joachim Gauck wird am 16.5. (17:15 Uhr) von der Uni Tübingen im Festsaal mit ihrem höchsten Preis ausgezeichnet, dem auf 50.000 Euro dotierten Leopold Lucas Preis. Ausgezeichnet wird Gauck ausgerechnet für sein „unbeirrtes Engagement für Freiheit und Toleranz wie auch für solide und quellenorientierte wissenschaftliche Arbeit“. Als Gauck 2012 zum Bundespräsidenten gekürt wurde, waren sich Grüne, SPD, Union und FDP einig: Der Sohn eines strammen Nazis, der Sarrazin mutig findet, den deutschen Faschismus mit der DDR gleichsetzt und die deutsch-polnische Grenze nicht anerkennt, ist bestens geeignet, unser Land zu repräsentieren.

Die Freiheit, die sie meinen

Wenn Gauck sein Lieblingswort „Freiheit“ in den Mund nimmt, dann meint er damit die Freiheit der Banken und Konzerne. Er unterschlägt die fundamentale Tatsache, dass die herrschende Klasse niemals bereit gewesen ist, ihre Freiheit zu teilen. Millionen sind gezwungen, ihren „Arbeitgebern“ jedes Stückchen Freiheit in erbittertem Kampfe abzutrotzen.

Verantwortung übernehmen

Gauck hat wie kein zweiter die neue Maxime deutscher Außenpolitik verkörpert, die unter dem Deckmantel der „Verantwortungsübernahme“ nichts anderes bedeutet als weitere Aufrüstung und mehr Militäreinsätze. Militärische Zurückhaltung ist für ihn „Selbstprivilegierung“ und keiner solle mehr „Deutschlands historische Schuld benutzen, um dahinter Weltabgewandtheit oder Bequemlichkeit zu verstecken“. Der Einsatz der Bundeswehr im Ausland wird für Gauck gar zur moralischen Pflicht. Er „leidet“ darunter, dass nicht überall militärisch „dort eingegriffen wird, wo es ethisch geboten wäre“. Die neue Großmachtpolitik Deutschlands ist inzwischen Bestandteil einer offensiven Propaganda-Kampagne staatstragender Politiker und Medien und Richtschnur deutscher Außenpolitik.

Prediger für den Krieg

Auf der Münchener Sicherheitskonferenz 2014 verkündete Gauck diese Linie, in dem er deutlich machte, Deutschland müsse sich „früher, entschiedener und substanzieller“ militärisch engagieren. Für diesen Hofprediger der NATO sind die Aggressionen, Interventionen und Kriege, an denen sich die Bundesrepublik beteiligt, noch nicht genug. Er meint: „Seit Jahren wissen wir, dass die kriegerischen Konflikte näher an uns heranrücken.“ Welch ein widerlicher Schwindel! Der deutsche Imperialismus ist es, der immer mehr Soldaten in immer mehr Länder sendet. Es sind deutsche Waffen, die vom Jemen bis nach Syrien die Kriege befeuern.

Bildung statt Bomben

Es ist besonders perfide, dass die Uni Tübingen einem Kriegshetzer wie Gauck, der vom Staat jährlich einen Ehrensold von 217.000 Euro erhält, 50.000 Euro schenkt, während die Semestergebühren zum Wintersemester 2017/2018 um 10 Euro ansteigen, Studiengebühren in Höhe von 1.500 Euro für ausländische Studierende und 650 Euro fürs Zweitstudium (pro Semester) anfallen. Jeder Cent, der für Rüstungsforschung, zivil-militärische Zusammenarbeit oder Auszeichnungen für Kriegstreiber ausgegeben wird, ist ein Cent zu viel und fehlt uns für Bildung und Soziales!

Diesen Brief haben wir heute an die Verwaltung der Universität Tübingen geschickt:

Sehr geehrte Frau Prorektorin Monique Scheer, sehr geehrtes Rektorat,

Wer schon einmal hochschulpolitisch aktiv war und sich für die Interessen der Studierenden und der Uni-Beschäftigten eingesetzt hat, der weiß, wie schwierig bis unmöglich es ist, die Uni-Leitung dazu zu bewegen, auch nur für eine einzige Infomail den Univerteiler nutzen zu dürfen. Und dabei geht es immerhin um Belange, die mit der Universität direkt zu tun haben. Ganz andere Standards gelten offenbar dann, wenn es um politische Positionen geht, die dem Rektorat genehm sind. Am 27.4.2017 durfte in einer „von der Universitaetsleitung genehmigte(n) Rundmail“ ein gewisser Alexander Schilin für eine „proeuropäische Demo“ auf dem Holzmarkt werben. In der Mail kann man lesen, es ginge um den „Erhalt (!) einer demokratisch und solidarisch organisierten Europäischen Union“, um die „Bewahrung (!) eines europäischen Bündnisses zur Sicherung des Friedens und zur Gewährleistung von Freiheit, Gerechtigkeit und Rechtsstaatlichkeit“. Die Auffassung der Organisatoren ist also, dass die EU für all das steht: Frieden, Freiheit, Rechtsstaatlichkeit, Gerechtigkeit.

Moment mal…

Frieden?

In ihren Anfängen war die europäische Einigung vor allem weltpolitisch motiviert, als Bollwerk gegen den Kommunismus und Stützpunkt für einen eventuellen Angriffskrieg gegen die Sowjetunion – die Pläne für diesen Krieg lagen bereits in britischen Schubladen (als „Operation Unthinkable“). Dazu kam es nicht, aber EU-Staaten waren und sind für zahlloseKriege verantwortlich, als Verursacher und Beteiligte. Dazu zählt der Angriffskrieg gegen Jugoslawien 1999, den vor allem die deutsche Bundesregierung mit einer Reihe frei erfundener Vorwände (über einen angeblichen, in Wahrheit nie stattgefundenen Völkermord im Kosovo) vom Zaun gebrochen hat. Dazu zählen ebenso die Angriffskriege gegen Afghanistan, Irak, Libyen, die Interventionen in Syrien, Mali, der Elfenbeinküste, die Anti-Piraterie-Einsätze am Horn von Afrika, die indirekte Beteiligung am Krieg in der Ukraine, dem Massaker Saudi-Arabiens im Jemen und viele mehr. Doch nicht nur die einzelnen Staaten, auch die EU als solche ist und war an zahllosen Militäreinsätzen beteiligt: in Ex-Jugoslawien, Georgien, Afghanistan, Irak, Palästina und vielen afrikanischen Ländern. Ziel bei alldem ist nie der Schutz der „Menschenrechte“, sondern die Sicherung von Rohstoffen, Absatzmärkten, Transportwegen und Investitionen, wie es in diversen Strategiepapieren und „Weißbüchern“ immer wieder auch offen ausgesprochen wird. Der Ex-Verteidigungsstaatssekretär Friedbert Pflüger drückte das 2010 so aus: „Vielmehr muss die EU lernen, ihre Interessen auf den Schauplätzen der Welt zu definieren und durchzusetzen.“ Die EU ist zusammengenommen Weltmeister bei den Rüstungsexporten (mit 34% gegenüber 30% der USA 2006-2010)[1]. EU und NATO betreiben auf vollen Touren Mobilmachung undEskalation gegen Russland, die Stationierung von Truppen immer näher an der russischen Grenze, den Aufbau von „Raketenabwehrschilden“, die die nukleare Zweitschlagsfähigkeit (!) Russlands verhindern sollen und weitere Maßnahmen, die die Menschheit ständig dem Risiko der atomaren Auslöschung aussetzen. Nein, die EU ist kein Friedens- sondern ein imperialistisches Kriegsbündnis. Sie ist ohne die NATO nicht zu denken.

Freiheit und Rechtsstaatlichkeit?

An den EU-Außengrenzen werden flüchtende Menschen (auf der Flucht vor Kriegen, die die EU mitverantwortet hat) zu Tausenden ertrinken lassen und in Südeuropa unter menschenunwürdigen Bedingungen jahrelang in Lager gesperrt. In zahlreichen osteuropäischen Ländern sind kommunistische Parteien und Symbole verboten, die Geschichte wird staatlich umgefälscht in Richtung einer Gleichsetzung von Kommunismus und Faschismus. Die EU selbst ist ein zentraler Akteur dieses rechten Geschichtsrevisionismus. Die EU arbeitet eng mit dem diktatorischen Regime in der Ukrainezusammen, an dem offene Faschisten beteiligt sind, das Krieg gegen das eigene Volk führt und fortschrittliche oder prorussische Oppositionelle brutal unterdrückt. Die EU kooperiert eng mit reaktionären Diktaturen wie Saudi-Arabien, Qatar oder Ägypten, um ihre Interessen in der Region zu wahren. Sie pflegt enge, auch militärische Beziehungen zu Staaten wie der Türkei und Israel, die für massive ethnische Unterdrückung verantwortlich sind. Wessen Freiheit ist also gemeint? Wohl eher die „vier Freiheiten“ aus der EinheitlichenEuropäischen Akte, die den Unternehmen ungehinderten Handel, Investitionen und billige Arbeitskräfte garantieren. Diese sind die „Grundidee“ der EU. Das kann man nicht im fortschrittlichen Sinne reformieren, sondern nur abschaffen.

Gerechtigkeit?

Die EU hat in Zusammenarbeit mit dem Internationalen Währungsfonds in den vergangenen Jahren eine Politik der Massenverelendung in Südeuropa durchgesetzt, gegen den massiven Widerstand der Bevölkerung. Obdachlosigkeit, Drogenkonsum, Suizidraten und Auswanderung schnellen in diesen Ländern in die Höhe, weil sich der Lebensstandard aufgrund der EU-Politik im freien Fall befindet. In Griechenland, Portugal oder Spanien sterben Menschen an CO-Vergiftung, weil sie sich keine Heizung mehr leisten können oder an heilbaren Krankheiten, weil das Gesundheitssystem zum Kollaps gebracht wurde. Mehr als die Hälfte der Jugendlichen in Griechenland und Spanien hat keinen Job, die andere Hälfte arbeitet unter prekärsten Bedingungen. Und in der restlichen EU? Der Fiskalpakt und das Europäische Semester sorgen dafür, dass jedes Land seinen Haushalt „ausgeglichen“ hält, d.h. bei Sozialem, Bildung und Gesundheit spart, während gleichzeitig (laut Lissabon- und Europe2020-Strategie) die „Wettbewerbsfähigkeit“ des Kapitals zum obersten Ziel erklärt wird.

Es bleibt dabei: Die EU ist ein Herrschaftsprojekt der Banken und Konzerne, ein Feind aller Lohnabhängigen. Mit sozialer oder sonstwelcher Gerechtigkeit hat sie nicht das Geringste zu

tun.

Der Demo-Aufruf von „Pulse of Europe“ erweckt den Eindruck, gegen die EU wären nur „Rechtspopulisten“ à la AfD und Front National. Dementsprechend wäre man „demokratisch“ oder gar „links“, wenn man für die EU ist. Das Gegenteil ist der Fall. Die EU ist ein autoritäres, reaktionäres Gebilde, in dem nicht-gewählte Institutionen wie die EZB oder EU-Kommission Herrschaft über Hunderte Millionen Menschen ausüben – immer im Interesse des Kapitals, immer gegen die Interessen der breiten Masse.

Viele Menschen empfinden das so und suchen ihr Heil in rechten Rattenfängern wie Le Pen. Die Ursache dafür ist aber der real existierende Kapitalismus der EU. Wer gegen Le Pen für die EU demonstriert, macht den Brandstifter zur Feuerwehr. Die kapitalistische Standortkonkurrenz, die von der EU noch bei weitem verschärft wurde, ist ja überhaupt die Grundlage des rückwärtsgewandten Nationalismus dieser Kräfte.

Diese Einschätzung muss man nicht teilen. Wir verlangen nicht, dass die Uni-Leitung sie sich zueigen macht. Wir verlangen aber, dass sie davon absieht, einseitiger Propaganda wie der von „Pulse of Europe“ eine Plattform zu bieten, während sie ansonsten politische Neutralität vorheuchelt.

Mit freundlichen Grüßen

Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend (SDAJ) Tübingen

[1]Quelle: Informationsstelle Militarisierung: Factsheet EU-Militarisierung, online: http://imi-online.de/download/eu2012_web.pdf

Am 16. Oktober 2014 findet der Alternative Dies Universitatis (AlDi) im Clubhaus (Wilhelmstraße 32) statt. Wir sind mit einem Referat zum Thema „Bildung im Kapitalismus“ am Start – das ganze Programm seht ihr hier im Überblick:

16:00 – 17:30 Einführung in die Kapitalismuskritik
Wir leben im Kapitalismus, das ist Fakt. Doch was zeichnet den
Kapitalismus aus? In diesem Vortrag nähern wir uns der Funktionsweise
des Kapitalismus an um anschließend aufzuzeigen, dass er den
Bedürfnissen der Menschen im Weg steht.

16:00 – 17:30 Homophobe Demos in Stuttgart
Bereits zum fünften Mal planen die homo- und transphoben
Bildungsplan-Gegner/innen am 19. Oktober 2014 in Stuttgart auf die
Straße zu gehen. Dieser Vortrag informiert über die aktuelle Situation
und die geplanten Gegenproteste.

17:40 – 19:00 Der NSU-Komplex mit Robert Andreasch
Robert Andreasch ist ein Kenner der “Rechten Szene” und seit Beginn des
Münchner NSU-Prozesses regelmäßiger Beobachter beim Oberlandesgericht
München. Robert Andreasch arbeitet bei AIDA München und für die
unabhängige Prozessbeobachtungsstelle “NSU-watch”. Er wird über die
aktuellen Entwicklungen berichten.

17:40 – 19:00 Bildung im Kapitalismus
Was hat Bildung eigentlich mit der kapitalistischen Gesellschaft zu tun?
Auf was für Füßen steht sie und welche Funktionen erfüllt sie? Und wo
sind Ansatzpunkte für fortschrittliche Veränderungen? Diesen Fragen
wollen wir nachgehen.

19:00 – 21:00 Was tun gegen studentische Verbindungen?
Wir haben schon lang Probleme mit den rückwärtsgewandten und verstaubten
Studentenverbindungen. Deshalb haben wir uns zum ALDI ein paar
Freund_innen aus Marburg eingeladen, die uns über ihre politische Arbeit
gegen verbindungsstudentischen Umtriebe in ihrer Region erzählen können.

ab 21:30 Clubhausfest

 

aldi2012

 

 

 

logoAm Mittwoch den 21. Mai findet in Tübingen ein Aktionstag gegen Bildungskürzungen statt – kommt zahlreich, seid laut, kreativ und kämpferisch!

Wo? Geschwister Scholl Platz (vor der Neuen Aula) // Wann? 15:00

Hier der Aufruf der Fachschaften Vollversammlung: „Um was geht es? Zur Zeit wird auf Landesebene der Solidarpakt III verhandelt. Die bisherige Planung des Landes sieht Kürzungen bei den Universitäten zwischen 10-15 % vor, die hauptsächlich im Bereich der Lehre niederschlagen werden. Aber auch andere Bereiche, wie Verwaltung und Zusatzangebote wären betroffen. Seit 1997 ist die Grundfinanzierung der Universitäten nicht gestiegen, die Gehälter und Energiekosten hingegen schon. Daraus resultiert bereits jetzt eine chronische Unterfinanzierung, die sich z.B in der Praxis zeigt, freiwerdende Stellen nicht neu zu besetzen. Die gesparten Gelder werden zur Grundfinanzierung genutzt. Bereits bei Erhalt des Status Quo (ohne Kürzungen!) würde die Uni daher bis 2020 ca. 300 Stellen streichen müssen. Wir finden das unvorstellbar und unverantwortlich! 10% weniger Geld für die Lehre? Ohne uns! Weitere Verschlechterung der Ausstattung? Ohne uns! Mehr prekäre Beschäftigte? Ohne uns!“

 

???????????????????????????????Am letzten Mittwoch, den 4. Dezember, fand an der Geschwister-Scholl-Schule in Tübingen eine Podiumsdiskussion zum Thema Bildungspolitik statt. Die Veranstaltung war in Folge einer Flyeraktion der SDAJ und einer darauf folgenden Diskussion unseres Flugblatts im Gemeinschaftskundeunterricht einer neunten Klasse zustande gekommen. Neben der Jungen Union, den Jungen Liberalen, den Jusos und der Grünen Jugend waren auch wir durch einen Genossen (Paul Rodermund) auf dem Podium vertreten.

Die Schüler_innen beteiligten sich engagiert an der Diskussion, wobei deutlich wurde, dass die meisten von ihnen das „Turbo-Abi“ (also das achtjährige Gymnasium, „G8“) ablehnen, mehr Geld für Bildung einfordern und längeres gemeinsames Lernen, also die Gemeinschaftsschule, befürworten. Nach ihren eigenen Erfahrungen schließen sich Gemeinschaftsschule und individuelle Förderung der Schüler_innen keineswegs aus. Außerdem wurde klar, dass die Schüler_innen ein Bewusstsein davon haben, dass insbesondere in der BRD die Bildungschancen sehr stark von der sozialen Herkunft abhängig sind. Dass dies höchst ungerecht ist, lag für die meisten an der Diskussion beteiligten jungen Leute auf der Hand.

Unser Genosse Paul hat in der Diskussion deutlich gemacht, dass sich nur etwas zum Besseren verändert, wenn die Schüler_innen selbst aktiv werden und für ihre Interessen kämpfen. So wurde etwa in NRW vielerorts wieder das neunjährige Gymnasium eingeführt während durch Studierendenproteste in vielen Bundesländern die Studiengebühren abgeschafft wurden. Nicht nur haben wir als SDAJ auf den Widerspruch zwischen Worten und Regierungshandeln bei SPD und Grünen aufmerksam gemacht, sondern unser Genosse hat darüber hinaus klar gemacht, dass die herrschende Wirtschaftsordnung ursächlich für viele Probleme des Bildungssystems ist. So wurde beispielsweise das G8 maßgeblich auf Druck der Unternehmen eingeführt, wie andererseits viele Unterrichtsmaterialien heutzutage von der Privatwirtschaft finanziert bzw. bereitgestellt werden. Die Kapitalisten nehmen also ganz direkt und in zunehmendem Maße Einfluss auf die Gestaltung des Bildungssystems sowie auf die Lehrinhalte. Während Schüler_innen ein Interesse an umfassender Bildung, gemeinsamen Lernen und individueller Förderung haben, will das Kapital nur Menschenmaterial, das profitabel verwertet werden kann.

Diese Angriffe auf unsere Interessen als Schüler_innen können wir nur durch gemeinsame Kämpfe abwehren. Zugleich muss uns bewusst sein, dass wir diesen Interessensgegensatz letztlich nicht im Rahmen des Kapitalismus überwinden können, sondern dass wir für eine Gesellschaft, in der sich die Interessen der übergroßen Mehrheit der Menschen durchsetzen, also für den Sozialismus, kämpfen müssen.

Die studentischen und wissenschaftlichen Hilfskräfte (HiWis) sind eine der größten Angestelltengruppen an der Uni hier in Tübingen. Ohne sie geht im Lehr- und Forschungsbetrieb nichts. Würden die HiWis von einem Tag auf den anderen ihre Arbeit einstellen, würde der Lehrbetrieb unweigerlich zusammenbrechen – die Bibliotheken müssten geschlossen bleiben, Tutorien könnten nicht stattfinden, die Profs stünden ohne Kopien, Powerpoint-Folien und Scripte da, und auch in der Verwaltung, wo Hilfskräfte offiziell überhaupt nicht arbeiten dürften, ginge ohne sie nichts…

Obwohl die HiWis für die Uni so wichtig sind, sind sie ihr kaum mehr als einen Hungerlohn wert. Aus Sicht der Unileitung sind sie billige Arbeitskräfte, die sich nach belieben einstellen und bei Bedarf auch wieder loswerden lassen. Die studentsichen und wissenschaftlichen Hilfskräfte bilden das schwächste Glied der langen Kette all jener, die an der Uni mal mehr, mal weniger prekär angestellt sind. Sie werden weder nach Tariflohn bezahlt, noch gibt es für sie verbindliche Regelungen für Arbeitszeiten, Urlaubstage und Lohnfortzahlung im Krankheitsfall. Unbezahlte Überstunden, permanente Abrufbarkeit und Arbeit am Wochenende gehören zum Alltag, und das bei Löhnen, die in Städten wie Tübingen noch nicht ein Mal die Mietkosten decken, und bei Arbeitsverträgen, die kaum je länger als 6 Monate gelten und jeder Zeit auslaufen können. Bisher gab es zudem keine formale Interessenvertretung, die sich für die Rechte der HiWis und die Verbesserung ihrer Arbeitsbedingungen einsetzen könnte. Dies soll sich jetzt ändern! Die HiWis beginnen Widerstand zu organisieren.

Immer, wenn im Bildungssystem gespart werden soll, trifft es an den Hochschulen zu aller erst die Hilfskräfte. Das bekommen die HiWis hier in Tübingen dieses Jahr auch zu spüren. Ihnen wird das Weihnachtsgeld gestrichen (also ein ganzes Monatsgehalt!), was die meisten der betroffenen erst in den nächsten Tagen erfahren dürften, und zwar, wenn ihnen das Gehalt für November überwiesen wird. Aber es regt sich Widerstand! In der Zwischenzeit haben sich HiWis zu einem Arbeitskreis zusammengeschlossen, der nicht nur eine Kampagne gegen die Streichung des Weihnachtsgeld auf die Beine gestellt hat, sondern sich auf  lange Sicht auch kollektiv dafür einsetzen will, eine starke Interessenvertretung sowie einen Tarifvertrag fürdie HiWis zu erkämpfen!

Hier geht es zur Online-Petition der Weihnachtsgeld-Kampagne. Jede Unterschrift zählt!

Auf dem Blog des HiWi-AKs werden alle Aktionen und Termine veröffentlicht.

Als SDAJ unterstützen wir den Arbeitskreis der HiWis nach Kräften.

Kein Fest ohne Weihnachtsgeld!

Für eine starke Interessenvertretung der studentsichen und wissenschaftlichen Hilfskräfte – weg mit den prekären Anstellungsverhältnissen, her mit Tarifverträgen!

Im Rahmen der Aktionswoche für Kostenfreie Bildung haben wir eine Flyeraktion auf dem Campus Wilhelmstraße durchgeführt. Die Studeinbedingungen sind für viele von uns jetzt schon katastrophal, und sie verschlechtern sich weiter – es liegt an uns, Widerstand zu organisieren und die Bildungsprotestebewegung neu zu formieren!

Schüler, Studis, Azubis – auf die Barrikaden!

Kostenfreie und umfassende Bildung, bezahlbarer Wohnraum und ausreichend Platz in Seminaren und Vorlesungen FÜR ALLE!

Hier findet ihr eine Kopiervorlage (pdf) des Flyers.

Bundesweiten Aktionswoche vom 14.-22. November 2012 – europäischer Generalstreik am 14. November

Kopiergeld, Bücher, Klassenfahrt. Immer mehr müssen wir für unsere Bildung bezahlen. Während immer weiter hunderte Milliarden zur „Rettung“ von Banken und Konzernen, das heißt eigentlich zur Rettung der privaten Profite von deren Vorstandsetagen, ausgegeben werden, wird im Bildungssystem immer weiter gespart: Ermäßigte Fahrkarten für SchülerInnen werden immer teurer oder gestrichen, immer mehr Lehrmaterialien müssen selbst bezahlt werden – Bildung hängt vom Geldbeutel der Eltern ab. Die ohnehin massive soziale Selektion im gegliederten Bildungssystem wird immer weiter verschärft.

Bildungsproteste gehen weiter

Hunderttausende SchülerInnen gingen im Rahmen der Bildungsproteste in den vergangenen Jahren für ein fortschrittliches Bildungssystem, dass sich an den Bedürfnissen der lernenden Jugend orientiert, auf die Straße – und die Proteste gehen weiter: Vom 14. bis zum 22. November findet bundesweit eine Aktionswoche für kostenfreie Bildung statt. Ob an der Schule, in der Ausbildung oder an der Hochschule – überall wollen wir uns unser Recht auf kostenlose Bildung kämpfen.

Europäischer Generalstreik

Gleichzeitig wird für den 14. November zu einem europäischen Generalstreik aufgerufen. Europaweit werden an diesem Tag Hunderttausende gegen Lohn- und Rentenkürzung, gegen Kürzungen im Gesundheits- und Bildungswesen, gegen die Krisenpolitik der Troika auf die Straße gehen.

Wir zahlen nicht für eure Krise!

Ob Aktionswoche oder europäischer Generalstreik, die Proteste sind notwendiger denn je: Hunderte Milliarden Euro umfasst der sogenannte Euro-Rettungsschirm, mit dem Staaten den Banken und Konzernen sichere Gewinne garantieren. Gleichzeitig werden die Kommunen, das heißt vor allem auch Bildungs- und Freizeiteinrichtungen, wie Bibliotheken, Kinos und Sportgelände, kaputt gespart. Die eingeführte „Schuldenbremse“ dient als Vorwand, um im Bildungsbereich zu Sparen.

Die Vorschläge der Herrschenden, um die Milliardengeschenke zu finanzieren? Heizungen in Schulen herunterdrehen, Schüler selbst putzen lassen, ermäßigte Fahrkarten streichen, Schwimmbäder schließen, Azubis im öffentlichen Dienst nicht übernehmen und ihre Löhne kürzen. Das zumindest wünscht sich beispielsweise das hessische Innenministerium, spricht damit aber nur aus, was überall geplant ist.. Die Herrschenden sagen uns, der lernenden und arbeitenden Jugend, genau wie den KollegInnen in den Betrieben, ob in Spanien, Griechenland oder Deutschland, den Kampf an.

Unser Gegenvorschlag? Banken und Konzerne enteignen, Vermögenssteuer einführen, Bankenrettungspakete stoppen – Geld ist genug da!

Also: Lasst uns gemeinsam im Rahmen der Aktionswoche für kostenfreie Bildung aktiv werden und den europäischen Generalstreik unterstützen.

Wir fordern: Geld für Bildung, statt für Banken und Konzerne!

Am Donnerstag den 18. Oktober wird auch dieses Jahr wieder der Alternative Dies Universitatis im Clubhaus (gegenüber der Neuen Aula) stattfinden. Ab 17:00 Uhr beginnt dort der „Markt der Möglichkeiten“, auf dem sich zahlreiche Gruppen und Initiativen vorstellen werden. Auch die SDAJ wird natürlich vertreten sein.

Was ist der ALDI und warum ist er wichtig? Hier der Ankündigungstext der Veranstalter_innen:

„Wie schon in den letzten Jahren wird auch dieses Jahr zu Beginn des Wintersemesters parallel zum „Dies Universitatis“ der
Universitätsleitung der Alternative Dies (AlDi) der Fachschaften sowie anderer Gruppen und Initiativen stattfinden. Dort können sich auf einem „Markt der Möglichkeiten“ zahlreiche studentische, politische und kulturelle Gruppen vorstellen und Einblick in ihre Arbeit geben.

Der Alternative Dies soll eine Alternativ-Veranstaltung zum ‚offiziellen‘ „Dies Universitatis“ sein. Wir kritisieren hauptsächlich, dass das korporierte Farbentragen der Tübinger Verbindungen am „Dies Universitatis“ von der Universitätsleitung geduldet wird, obwohl es gegen einen gültigen Senatsbeschluss verstößt. Gleichzeitig wurde immer
wieder von der Universitätsleitung versucht die Präsenz von verbindungskritischen Inhalten auf dem „Dies Universitatis“ einzuengen bzw. die Meinungsfreiheit in Bezug auf studentische Verbindungen zu unterbinden.

Ein Einstieg in das neue Wintersemester unter dem Vorzeichen einer einseitigen Hofierung studentischer Korporationen stellt gerade für StudienanfängerInnen ein verzerrtes Bild von der Vielfalt und Pluralität in Tübingen dar. Auch deshalb ist das Verhältnis des Rektorats zu Burschenschaften und Verbindungen kritisch zu hinterfragen und durch eine Alternativ-Veranstaltung zu ergänzen.

Deshalb soll auch in diesem Jahr wieder, parallel zum „Dies Universitatis“ am 13. Oktober 2010, ein Alternativer Dies stattfinden, zu dem wir Euch herzlich einladen wollen.“

Wenn du erst neu an die Uni gekommen bist und dich jetzt fragst, was es eigentlich auf sich hat mit diesen Studentenverbindungen, findest du hier eine Antwort: Der AK Clubhausia hat folgenen kurzen Flyer zum Thema Verbindungskritik erarbeitet: Falsch Verbunden

Die Positionen und Forderungen der SDAJ (wir sind hier an der Uni in Tübingen mit einer aktiven Gruppe gut vertreten) zum Thema Studium und Hochschule findest du hier: SDAJ an der Uni