Bericht vom MECYO!

Am 7. und 8. März fand in Frankfurt am Main das 11. Treffen Europäischer Kommunistischer Jugendorganisationen (MECYO) statt unter dem Motto „70 Jahre nach dem antifaschistischen Sieg. Kapitalismus verursacht Krieg, Krisen und Faschismus. Die Hoffnung der Jugend liegt im Sozialismus“. Als Gastgeberin hatte dieses Jahr die SDAJ die Ehre, 13 Organisationen aus 12 verschiedenen Ländern Europas und den WBDJ willkommen zu heißen.  Wir diskutierten gemeinsam über Analysen zur Entwicklung des Imperialismus, zu faschistischen Tendenzen in Europa und den Lebens- und Arbeitsbedingungen der europäischen Arbeiterjugend und ihrer Kämpfe. Für uns als internationalistische Organisation ist die Zusammenarbeit kommunistischer Jugendorganisationen in Europa von großer Wichtigkeit, um voneinander zu lernen, unseren Aktivitäten einen gemeinsamen Rahmen zu geben und dadurch die Qualität unserer Arbeit in unseren jeweiligen Heimatländern zu verbessern und unsere Kräfte zu bündeln – im Kampf gegen Faschismus, die reaktionäre EU und für eine Gesellschaft ohne Ausbeutung und Krieg, den Sozialismus. Im Ergebnis sind wir sehr zufrieden, dass wir eine gemeinsame Erklärung und eine Resolution zum 8./9.Mai 2015 beschließen konnten:

Common Announcement_MECYO 2015

Antifascist Resolution 8-9th May 2015

Frauentag collageAm 7. März fand anlässlich des jährlichen Frauenkampftages am 8. März eine Kundgebung in Tübingen statt. Bei der mehrstündigen Veranstaltung auf dem Holzmarkt waren viele verschiedene Tübinger Gruppen mit Info-Tischen, Aktionen und Flyern vertreten – und so auch wir.

Obwohl Frauen in vielen gesellschaftlichen Bereichen benachteiligt werden, bekommt man am Frauenkampftag häufig die Frage gestellt, wofür man denn „heute noch“ auf die Straße gehen müsste. Zwei Genossinnen von uns griffen die Frage in ihrem kämpferischen Redebeitrag auf. Lest selbst, was sie als Antwort gegeben haben: FLYERTEXT

Susann-Witt-Stahl in Stuttgart

Am 8. März war Susann Witt-Stahl anlässlich des internationalen Frauenkampftags in Stuttgart. Bei einer Veranstaltung von DKP und DIDF hielt sie einen fundierten Vortrag über die Situation in der Ukraine, wo sie mehrere Monate als Reporterin arbeitete.

 

Hier könnt ihr unser frauenpolitisches Grußwort nachlesen:

Liebe Genossinnen und Genossen, Freundinnen und Freunde,

warum sollen wir im Jahr 2015 überhaupt noch gegen Frauenunterdrückung auf die Straße gehen? Sind Frauen in Deutschland nicht schon längst emanzipiert? Das Wahlrecht ist längst erkämpft, wir dürfen uns ausbilden lassen, studieren und – zumindest in der Theorie – alles werden, was wir wollen, ob Mechanikerin, Professorin oder Managerin. Wir werden heute nicht mehr kriminalisiert, wenn wir uns das Recht auf ein selbstbestimmtes Sexualleben außerhalb der Ehe herausnehmen. Schwangerschaftsabbrüche müssen heute nicht mehr illegal und lebensgefährlich in dunklen Hinterzimmern durchgeführt werden. Sogar das Militär, neben der Kirche eine der ältesten Männerbastionen, hat mittlerweile seine Tore für das angeblich „schwache Geschlecht“ geöffnet. Glaubt man der Image-Propaganda von Kriegsministerin Ursula von der Leyen, dann wimmelt es in der Bundeswehr geradezu von schwer bewaffneten, gut aussehenden jungen Frauen in Uniform, die Auslandseinsätze in der Kampfzone, Karriere an der Bundeswehr-Uni und kinderreiche Großfamilie spielend unter einen Hut bekommen. Und selbst die Kanzlerin, die die Kriegseinsätze dieser emanzipierten jungen Soldatinnen auf höchster Ebene plant, ist eine Frau. Gekämpft wird natürlich nicht für die Profitinteressen deutscher Banken und Konzerne, sondern für Demokratie und Frauenrechte in Afghanistan. So weit, so erfreulich.

Aber gehört dann der internationale Frauentag nicht längst auf den Müllhaufen der Geschichte? Ist die umfassende Emanzipation der Frau nicht schon lang eine soziale Wirklichkeit? Weit gefehlt! Ein kritischer Blick hinter die bunte Propagandakulisse zeigt: in Wirklichkeit sieht das Bild wesentlich düsterer aus.

Klassische Rollenbilder sind wieder auf dem Vormarsch, Alltagssexismus begegnet uns nahezu überall und auch auf dem Arbeitsmarkt ist die Situation für Frauen in der Regel deutlich schlechter als für Männer. Frauen verdienen durchschnittlich immer noch etwa 23% weniger als Männer und überdurchschnittlich viele Frauen befinden sich in prekären Arbeitsverhältnissen.

Die geringfügige Beschäftigung im Erwerbsleben wirkt sich katastrophal auf die Rente aus: Frauen erhalten im Durchschnitt 59% weniger Rente als Männer. Altersarmut und weitere Minijobs sind keine Seltenheit für Frauen,um im Alter mehr schlecht als Recht über die Runden zu kommen. Es bleibt außerdem eine traurige und schockierende Tatsache, dass jede dritte Frau weltweit in ihrem Leben Opfer einer Vergewaltigung oder sexualisierter Gewalt wird. Die Täter stammen fast immer aus dem engeren sozialen Umfeld. Häusliche Gewalt gehört für Frauen zu den statistisch größten Gesundheitsrisiken und mit zu den häufigsten Todesursachen. Mehr als genug Grund also, um sich zu wehren!

Was nützen uns Frauenquoten in Konzernvorständen und weibliche SpitzenpolitikerInnen, wenn den meisten von uns das Geld zum Leben nicht reicht, wir unsere prekären Jobs sofort wieder verlieren, wenn wir schwanger werden oder wir nach der Schwangerschaft keinen Job mehr finden, weil es weit und breit keine Kitaplätze gibt?

Die Verhältnisse sind nicht zufällig so eingerichtet, sondern sie haben System – und das Kapital hat großes Interesse daran, dass sie auch so bleiben. Im Kapitalismus sorgt die soziale Schlechterstellung der Frauen dafür, dass der Großteil der unbezahlten Reproduktionsarbeit im Haushalt auf Frauen abgewälzt wird, außerdem bringt sie Frauen als Lohndrückerinnen gegenüber ihren männlichen Kollegen in Stellung. Die kapitalistischen Verhältnisse zwingen Frauen in die ökonomische Abhängigkeit von Männern. Hier liegen nicht nur die sozialen Ursachen für die fortschreitende Prekarisierung der weiblichen Arbeiterklasse, sondern es sind eben diese Verhältnisse, die Sexismus, sexuelle Ausbeutung von Frauen und sexualisierte Gewalt hervorbringen.

Diese Unterdrückung und doppelte Ausbeutung der Frauen im Kapitalismus beruht nicht auf einer unveränderlichen Naturnotwendigkeit, wie uns bürgerlich-konservative Ideologen seit Jahrhunderten glauben machen wollen. Genau so wenig handelt es sich bei Sexismus und Frauenunterdrückung aber um ein rein ideologisches Problem, ein soziales „Konstrukt“, das man einfach „dekonstruiern“, wegkritisieren oder durch geschlechtsneutrale Sprachregelungen aus der Welt schaffen könnte, wie Teile des bürgerlich-postmodernen Feminismus behaupten.

Für uns als Kommunistinnen und Kommunisten muss klar sein, dass es sich bei den Geschlechterverhältnissen im Kapitalismus um soziale Verhältnisse handelt, die nur grundlegend geändert werden können, wenn sich die Gesellschaft grundlegend ändert. Die Geschlechterfrage kann nicht losgelöst von der sozialen Frage, nicht losgelöst von unserer revolutionären Perspektive behandelt werden. Alexandra Kollontai, Weggefährtin Lenins und eine der wichtigsten Kämpferinnen der Oktoberrevolution, hat es auf den Punkt gebracht: „Ohne Sozialismus keine Befreiung der Frau – ohne Befreiung der Frau kein Sozialismus!“

Heute trennt uns ein scheinbar unüberwindbar weiter Weg von diesem Ziel. Umso wichtiger ist es, dass wir all unsere Kraft, all unseren Kampfgeist und all unseren Mut zusammen nehmen, und uns wieder auf den Weg machen. Unsere Bewegung muss wieder stärker und jünger werden. Deshalb braucht ihr als Partei uns – den kommunistischen Jugendverband – in dem junge Menschen zu einer neuen Generation von Kämpferinnen und Kämpfern für unsere gemeinsame Sache heranwachsen. Und dazu brauchen wir euch, euren Erfahrungsschatz, euer Wissen und eure tatkräftige Unterstützung.

Es gibt keine revolutionäre Perspektive ohne eine starke und kämpferische Arbeiterbewegung. Es gibt keine revolutionäre Perspektive ohne klassenorientierte Gewerkschaften, die anstatt von den gemeinsamen Interessen sogenannter „Sozialpartner“ zu schwadronieren, konsequent das Interesse der breiten Masse der lernenden und arbeitenden Menschen vertreten. Es gibt keine revolutionäre Perspektive ohne breite Widerstandsbewegungen auf der Straße, die sich Faschismus, Krieg und den Angriffen des Kapitals auf unsere sozialen Rechte entgegenstellen. Und es gibt erst recht keine revolutionäre Perspektive ohne eine Kommunistische Partei, die stark und entschlossen genug ist, sich in diesen Kämpfen als Avantgarde zu beweisen und vom bloßen Widerstand in die Offensive überzugehen.

Und zu guter Letzt: Ohne revolutionäre Perspektive gibt es auch keine Befreiung der Frau – lasst uns also gemeinsam für die Wiedergewinnung dieser Perspektive kämpfen!

 

 

Roter Tresen am 10. März 2015 um 20 Uhr im Club Voltaire, Haaggasse 26b, Tübingen

Anlässlich des internationalen Frauenkampftags am 08. März wird das Thema des Abends die Situation junger Frauen in unserer Gesellschaft sein. Denn seit der Einführung des Frauentags 1911 hat sich zwar einiges getan, doch von einer wirklichen Gleichberechtigung kann noch lange keine Rede sein. Klassische Rollenbilder sind wieder auf dem Vormarsch, Alltagssexismus begegnet einem nahezu überall und auch auf dem Arbeitsmarkt ist die Situation für Frauen in der Regel deutlich schlechter als für Männer. Frauen verdienen durchschnittlich 22-23 % weniger als Männer und viele Frauen befinden sich in prekären Arbeitsverhältnissen. So sind beispielsweise 65 % der ausschließlich geringfügig Beschäftigten Frauen.

Einer dieser prekären Berufe ist der der „Putzfrau“. Nach einer allgemeinen Einführung werden wir gemeinsam den Film „Aufstand der Putzfrauen. Kein Job, kein Geld, aber Power!“ anschauen. Darin dokumentiert die Regisseurin Monika Schäfer den Kampf von 30 Frauen um ihren Arbeitsplatz. Als die Firma, für die die Frauen arbeiten insolvent geht, sollen sie von heute auf morgen ihren Job verlieren. , auch die Lohnzahlung bleibt wochenlang aus. Das wollen und können sich die Frauen nicht gefallen lassen. Sie schließen sich zusammen und beginnen sich zu wehren. Ihr Kampf besteht aus Protestaktionen gegen den Chef – wie beispielsweise das Verstecken von Dienstwagen – bis hin zur Planung der Gründung einer eigenen Firma. In die Lage versetzt mit allen Mitteln um ihre Existenz kämpfen zu müssen, machen die Frauen die Erfahrung, dass der gemeinsame Kampf nicht nur effektiver ist, sondern auch wesentlich mehr Spaß macht.

Im Anschluss an den Film besteht wie immer die Möglichkeit über das Thema zu diskutieren und den Abend in netter Atmosphäre ausklingen zu lassen.

Wo? Club Voltaire, Haaggasse 26 b, Tübingen

Wann? Dienstag, 10.03.15, 20 Uhr

»Antifa heißt Luftangriff!« –  Regression einer revolutionären Bewegung, Buchvorstellung / Diskussion mit Susann Witt-Stahl, Montag, 09.03.2015, 20:00 Uhr, Club Voltaire

Mit einem Input von Matthias Rude zum Thema
» „Antifaschistische“ Legitimierung von Krieg«

Antifaschismus heute ist zunehmend systemfromm und affirmativ oftmals pure Ideologie.  Mit marxistischer Analyse des Faschismus als terroristische Form bürgerlicher Herrschaft hat er immer weniger zu tun, meinen die Herausgeber des Bandes.  Sie legen eine Sammlung von Streitschriften vor, die deutlich machen, was Antifaschismus nicht sein darf.  Die zentrale These von Susann Witt-Stahl und Michael Sommer lautet: Antifaschismus droht zur Ode an die freie Marktwirtschaft zu verkommen.  Er entwickelt sich zum Teil des Problems, nicht mehr der Lösung.  Das ist eine ideologische Meisterleistung des Neoliberalismus.

Susann Witt-Stahl ist freie Journalistin und Autorin.  Ihre Arbeitsschwerpunkte sind: Ideologiekritik neoliberaler Politik, der modernen Kriege, der Kulturindustrie, gesellschaftlicher Naturverhältnisse sowie reaktionärer Tendenzen in der Linken. Darüber hinaus berichtet sie für Tageszeitungen und Magazine u. a. über internationale Krisen, beispielsweise aus dem Nahen Osten und der Ukraine.

Eine gemeinsame Veranstaltung von:

SDAJ Gruppe Tübingen
VVN-BdA Kreisvereinigung Tübingen-Mössingen: http://tuebingen.vvn-bda.de/
Offenes Treffen gegen Faschismus und Rassismus Tübingen und Region: http://otfr.blogsport.de/
Club Voltaire Tübingen: http://www.club-voltaire.com/

Montag, 09.03.2015, 20:00 Uhr

Club Voltaire
Haaggasse 26b
72070 Tübingen

Am 15. März starten wir einen zweiten Lesekreis zum Thema Antifaschismus. Der Lesekreis findet immer sonntags von 14 bis 16 Uhr, und teilweise noch in den Semesterferien bzw. Osterferien, statt.

Vorwissen oder vorherige Lektüre sind nicht notwendig; alle Materialien werden euch auf den jeweiligen Sitzungen zur Verfügung gestellt und die Texte lesen wir gemeinsam auf den Sitzungen.

Den Ort und alles weitere erfahrt ihr nach der Anmeldung per Mail.

Anmeldungen und Fragen zum Lesekreis bitte an: kontakt@tuebingen.sdaj-bawue.de

Sitzungsplan

1. Sitzung/15. März: Was ist eigentlich Faschismus?

2. Sitzung/22. März: Pseudo- soziale Positionen der Rechten

3. Sitzung/29. März: Faschistische Gefahr und antifaschistischer Widerstand heute?

(5. April: Pause)

4. Sitzung/12. April: Die Neuen Rechten: Pegida, HoGeSa, AfD und Co

5. Sitzung/19 April: Workshop: Sprach- und Erkennungscodes der Nazis

(88“, „Ahnenblut“ und „Mitteldeutschland“)

 

Was ist Faschismus und wie lässt er sich bekämpfen?“

Um zu wissen wie wir uns gegen den Rechtsruck in der Gesellschaft zur Wehr setzen und neue und alte Faschisten effektiv bekämpfen können, müssen wir zunächst mal verstehen was Faschismus denn eigentlich ist. Hast Du dich das auch schon einmal gefragt? Hast Du in der Schule oder Uni eine befriedigende Antwort bekommen?

Im Geschichtsunterricht ist wenn überhaupt nur im Zusammenhang mit dem 2. Weltkrieg (1939-1945) von „Faschismus“ die Rede, meist spricht man ironischer Weise von Nationalsozialismus. Und möglicherweise verbindet sich damit der Eindruck, dass Faschismus eben Geschichte ist. Dabei ist doch mehr als offensichtlich, dass es heute noch Nazis gibt. Wieso? Welche Rolle spielen sie in unserer Gesellschaft? Und wem nützen Nazis? Dem allergrößten Teil der Bevölkerung jedenfalls nicht!

Wie ist der Aufschwung der AfD zu erklären und wie schaffen es PEGIDA („Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“)  und HoGeSa („Hooligans gegen Salafisten“), ihren antimuslimischen Rassismus populär zu machen?

Wenn es uns ernst damit ist den Faschismus und seine Wurzeln zu vernichten, genügt es sicher nicht sich faschistischen Aufmärschen in den Weg zu stellen. Damit Antifaschismus konkret wird, müssen wir uns auch mit den Ängsten und Bedürfnissen beschäftigen an die Nazis mit ihren Lügen anknüpfen.

Antifaschismus wird dann konkret, wenn wir unser Verhalten danach ausrichten, d.h. wenn wir es schaffen uns gegen alle Formen von sozialer Ausgrenzung, von Rassismus und Ungleichbehandlung, gegen Krieg, für demokratische und soziale Rechte, einsetzen und den Menschen klarmachen, dass die Grenzen nicht zwischen den Völkern, sondern zwischen Arm und Reich verlaufen.

Antifaschismus muss sich auch mit der Neuformierung des rechten Lagers beschäftigen. Wir wollen dafür keine fertigen Antworten liefern, sondern gemeinsam den Fragen der Zeit auf den Grund gehen. Und weil es kurzerhand viel mehr Spaß macht und effektiver ist dies gemeinsam zu tun, planen wir ab den 15. März  einen Lesekreis zum Thema Antifaschismus. Er findet sonntags von 14-16 Uhr statt. Du brauchst kein Vorwissen und musst auch keine Texte vorher lesen.

Bundeswehr Werbestand bei der Für die Familie Messe in Tübingen – Flyer-Aktion gegen das Werben fürs Sterben – Keinen öffentlichen Raum dem Militarismus! – Imperialismus und Kriegshetze entgegentreten, in Tübingen und überall!

Vom 28. Februar bis zum 8. März findet auf dem Festplatz hinter der Paul-Horn-Arena in Tübingen wie jedes Jahr die FdF (die „Messe für die Familie“) statt. Wie immer stellen hier zahlreiche Unternehmen aus den Bereichen Mode, Bauen, Einrichtung, Wellness etc. ihre Waren und Dienstleistungen zur Schau, die das Leben der schwäbischen Kleinfamilie besser, schöner, gesünder und noch idyllischer machen sollen. So weit, so langweilig.

Neu auf der Messe ist der diesjährige „special guest“: Die Bundeswehr. Deshalb fand sich am Sonntag den 1. März auch eine Gruppe junger SDAJlerInnen vor dem Messeeingang ein, um mit einem Transparent und Flugblättern die MessebesucherInnen über die Bundeswehr, ihre aktuelle Propagandaoffensive und ihre Rolle in der Gesellschaft zu informieren. Es dauerte keine zehn Minuten, da tauchte auch schon das mehrköpfige Security-Team einer privaten Sicherheitsfirma auf, um uns des Platzes zu verweisen und uns mit der Polizei zu drohen. Die lächerlichen Einschüchterungsversuche gingen sogar so weit, dass uns angedroht wurde, die Security würde die Soldaten vom Messestand zur Hilfe holen, sollten wir uns weigern, freiwillig zu gehen, die wüssten dann schon, „wie mit uns umzugehen sei“. Es wäre zumindest nicht das erste Mal gewesen, dass Jugendoffiziere oder Feldjäger gegenüber AntimilitaristInnen handgreiflich werden.

Das einzig Gute an der Sache: Die Messe kostet satte 9 Euro Eintritt und ist zudem so spießig und langweilig, dass sich sowieso kaum Jugendliche auf das Gelände verirren. Beunruhigend bleibt trotzdem, dass die Bundeswehr sich mittlerweile offenbar keine Gelegenheit mehr nehmen lässt, öffentlich die Normalisierung von Krieg und der Militarisierung der Gesellschaft voran zu treiben.

collage_smallMit ihrem Messestand verfolgt die Bundeswehr – ganz im Sinne des niegelnagelneuen „Gesetzes zur Steigerung der Attraktivität des Dienstes in der Bundeswehr“ von Kriegsministerin Ursula von der Leyen – das Ziel, den Messebesuchern einzureden, dass auch der deutsche Militarismus sich die größte Mühe gibt, die Welt besser, schöner, gesünder und idyllischer zu machen. In insgesamt 14 Auslandseinsätzen trägt die deutsche Armee heute mit Bomben, Panzern und „schnellen Eingreiftruppen“ dazu bei, den Globus angeblich sicherer zu machen und den Weg für Frauenrechte und Demokratie frei zu schießen. In Wirklichkeit aber geht es der großen Mehrheit der Menschen in Ländern wie Afghanistan, denen die NATO und ihre Tötungsmaschine einmal „geholfen“ hat, ganz und gar nicht besser, denn Krieg bringt immer vor allem Tod, Zerstörung und Vertreibung – egal ob angeblich im Namen der Menschenrechte oder auch ganz offen für die Verteidigung „deutscher Interessen“.

Ganz besonders interessiert sich die Bundeswehr bei ihrer Öffentlichkeitsarbeit für Jugendliche, auf die sie als Nachwuchs und Kanonenfutter angewiesen ist. Seit der Abschaffung der Wehrpflicht bedarf es nämlich aktiver Überzeugungsarbeit, um jungen Menschen die Karriere beim nun vermeintlich „ganz normalen Arbeitgeber“ Militär schmackhaft zu machen. Und dabei zieht die Bundeswehr alle Register: ob Werbespots im Fernsehen, sportlich-hippe Anzeigen in der Bravo oder Schulbesuche in Uniform. Wenn es darum geht, den Nachwuchs für die militärische Durchsetzung der deutschen Großmachtbestrebungen in der Welt zu rekrutieren, werden weder Kosten noch mühen gescheut. Und bei der Rekrutierung zukünftiger SoldatInnen kommt den Jugendoffizieren die prekäre Lage natürlich sehr zu Gute, mit der viele Jugendliche im Kapitalismus zu kämpfen haben: Fehlende Ausbildungsplätze, schlechte Vergütung, unsichere Übernahme, Jugendarbeitslosigkeit und ein BAföG, von dem man in vielen Städten kaum leben kann, lassen die Option Militär nicht wenigen jungen Menschen als möglichen Ausweg aus ihrer Perspektivlosigkeit erscheinen.

Um der Bundeswehr in ihrer Propagandaoffensive dabei in die Parade zu grätschen, haben wir es uns als junge KommunistInnen zur Aufgabe gemacht, keinen öffentlichen Auftritt der Bundeswehr ungestört über die Bühne gehen zu lassen. Ob durch Flyer- und Transpi-Aktionen, Blockaden, Kundgebungen oder Demos – bundeswehrfreie Zonen schaffen ist und bleibt Handarbeit. Dabei geht es uns vor allem darum, so vielen Jugendlichen wie möglich deutlich zu machen, dass es weder in ihrem noch im Interesse der gesamten Arbeiterklasse liegen kann, für die Profite der deutschen Banken und Konzerne irgendwo auf der Welt, sei es in Afghanistan oder am Horn von Afrika, auf andere Menschen zu schießen oder selbst das Risiko einzugehen, traumatisiert, verwundet oder sogar getötet zu werden. Stattdessen sollten wir uns lieber mit jenen Menschen verbünden, die in vielen Teilen der Welt den Angriffen des deutschen Imperialismus ausgesetzt sind, die täglich unter Armut und Zerstörung leiden oder sogar aus ihrer Heimat flüchten müssen, um mit ihnen gemeinsam gegen den Kapitalismus und für eine bessere Welt zu kämpfen!

Hoch die internationale Solidarität!

Bundeswehr raus aus den Köpfen, raus aus allen besetzten Gebieten!