#CIMG1668Auch hier in Tübingen ging der 1. Mai – der Tag der Arbeiterklasse – nicht sang- und klanglos unter. Um 10:30 Uhr fanden sich bis zu knapp 250 Menschen am Bahnhof in Tübingen zusammen um gemeinsam zu demonstrieren. Verschiedene Gruppen und Organisationen, darunter wir, die SDAJ sowie die DGB Gewerkschaften. Sowohl verschiedene Parteien und deren Jugendverbände als auch viele Einzelpersonen nahmen an der Demo teil. Uns alle verband ein Ziel: Wir wollen eine deutliche Verbesserung der Arbeits- und Lebensbedingungen in Deutschland als auch weltweit erkämpfen!

 Während wir, die SDAJ, unseren revolutionären Jugendblock formierten, ging es dann auch schon los. Wir begannen, Parolen zu rufen, zogen über die Neckarbrücke und liefen durch die Innenstadt Tübingens. Zwar war in den Straßen nicht so viel los, dennoch wurden wir beachtet und unsere Präsenz wurde von vielen Menschen wahrgenommen. Während die Gewerkschaften hauptsächlich Lohnforderungen aufstellten und bessere Arbeitsbedingungen forderten, gingen wir schon einen Schritt weiter: Wir forderten Solidarität mit der kämpfenden Arbeiterklasse Griechenlands und machten uns dafür stark, den Klassenkampf auch in Deutschland in die Unis, die Schulen und natürlich die Betriebe zu tragen!

 Auf der Abschlusskundgebung auf dem Marktplatz trat als einer der ersten Redner Oberbürgermeister Boris Palmer auf die Bühne, der kräftig ausgebuht wurde und natürlich eine offen anti-gewerkschaftliche und anti-klassenkämpferische Position vertrat. Für uns ist nicht nachvollziehbar, was den DGB dazu bewogen hat, diesen Politiker am internationalen Kampftag der Arbeiterklasse als Redner einzuladen. Nachdem die Reden vorbei waren zogen wir weiter und feierten unser eigenes internationalistisches Straßenfest am Haagtorplatz. Auch hier waren wir mit zahlreichen Transparenten und roten Fahnen ein auffälliger Blickfang für die Passant_innen. Viele Menschen blieben im vorbei gehen stehen und lasen unsere Transparente. Es wurden außerdem viele neue Kontakte geknüpft und interessante Diskussionen geführt, und im Laufe des Tages füllte sich unser Platz mit vielen netten Menschen.

 Zusammenfassend kann man sagen, dass zwar die Demonstration selbst relativ klein, für uns jedoch auch ein größerer Erfolg als sonst war. Denn es ist immer wieder erfreulich zu sehen, dass es Menschen unterschiedlichen Alters und unterschiedlicher Herkunft gibt, die für ihre Rechte und Interessen auf die Straße gehen!

 Für die nächsten Jahre gilt es, in Tübingen einen revolutionären Block auf der Gewerkschaftsdemo zum 1. Mai zu etablieren – wir müssen mehr werden, der gewerkschaftlichen Linie der Sozialpartnerschaft eine Position des konsequenten Klassenkampfes entgegensetzen und unseren Forderungen am 1. Mai einen kämpferischen Ausdruck geben!

 Hoch die internationale Solidarität!

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Zur Erinnerung an den 8. Mai 1945 haben wir gestern Abend in der Altstadt mehrere Kundgebungen abgehalten und Flyer verteilt. Sowohl auf dem Holzmarkt, als auch auf dem Marktplatz und im alten botanischen Garten stieß unsere Aktion bei vielen Jugendlichen auf spontane Zustimmung – auch wenn die üblichen antikommunistischen Anfeindungen einzelner Passanten leider nicht ausblieben…

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Im Folgenden dokumentieren wir den Kundgebungstext, der auch auf den Flyern abgedruckt war:

Wer nicht feiert hat verloren!

8. Mai 1945 – Tag der Befreiung! Danke! Cпасибо! Thank You! Merci! Gracias!

1933 kamen Hitler und die NSDAP mit Hilfe des deutschen Kapitals an die Macht. Die 12 jährige Terrorherrschaft des Faschismus ist verantwortlich für die bisher größte Katastrophe der Menschheitsgeschichte. Einerseits wurde eine bis dahin unvorstellbare Aggression nach außen vom Zaun gebrochen: der Überfall auf die Nachbarländer im Westen wie im Osten, der Vernichtungskrieg gegen die Sowjetunion und damit die Entfesselung des Zweiten Weltkrieges. Andererseits wurde ein beispielloses Gewalt- und Ausrottungsprogramm innerhalb des Deutschen Reiches und in den besetzten Gebieten durchgesetzt: die industrielle Vernichtung der Jüdinnen und Juden, Hunderttausender Sinti und Roma, Homosexueller und Menschen mit Behinderung, die massenhafte Ermordung von Millionen sowjetischer Kriegsgefangener sowie die Zerschlagung der Arbeiterbewegung und die fast vollständige Liquidierung jeder politischen Opposition. Bis 1945 hat die Naziherrschaft mindestens 55 Millionen Menschenleben gefordert. Allein 25 Millionen und damit den Großteil dieser Todesopfer hatte die Sowjetunion zu beklagen. Über 6 Millionen Menschen jüdischer Abstammung wurden von den Nazis deportiert, als Zwangsarbeiter versklavt und ermordet. Halb Europa lag nach Kriegsende in Trümmern. Über 30 Millionen Menschen hat der Krieg verstümmelt und entstellt zurückgelassen.

Am 8. Mai 1945 – heute vor genau 68 Jahren – war der Spuk endlich vorbei. Die Eroberung Berlins durch die Rote Armee zwang die Nazis zur bedingungslosen Kapitulation. Aber von „Kapitulation“ sprechen nur jene, für die dieser Tag eine Niederlage war – wir feiern heute den Tag der Befreiung! Der 8. Mai 1945 war der Tag, an dem der Hölle der Folterkeller, der KZs, der Mordanstalten, der Gaskammern und der Krematorien endlich ein Ende gesetzt wurde.

Als junge Kommunist_innen und Antifaschist_innen betrachten wir es als unsere Aufgabe und unsere Pflicht, heute nicht nur an die zahllosen Opfer des Faschismus zu erinnern, sondern auch an jene Menschen, die alles aufs Spiel gesetzt und aktiv für die Befreiung gekämpft haben. Die internationalen Freiwilligen im spanischen Bürgerkrieg, die Kämpfer_innen der Roten Armee und der Alliierten, die Frauen und Männer im Widerstand und in den vielen Partisaneneinheiten überall in Europa – ihnen gelten heute unser Dank und unser Andenken!

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 Aber ist der Spuk wirklich vorbei? „Der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem das kroch“, warnte Bertolt Brecht 1955 vor der weiterhin drohenden Gefahr des Faschismus. In der BRD dauerte es nach dem Krieg nicht lange bis viele Nazis wieder führende Posten in Politik, Wirtschaft und Verwaltung übernehmen konnten. Viele Täter blieben unbestraft. Gleichzeitig wurden Antifaschist_innen, darunter zahlreiche Kämpfer_innen des kommunistischen Widerstands, bald wieder verfolgt und eingesperrt (KPD-Verbot, Berufsverbote etc.). Heute organisieren sich die Nazis, Rassisten und Nationalisten überall in unserer Umgebung, während der Staat gegen Antifaschist_innen immer härter vorgeht. Rechte Gewalttaten bis hin zu rassistischen Morden auf offener Straße häufen sich. Der Staat knüppelt den Nazis bei ihren Aufmärschen trotzdem regelmäßig gegen unseren Widerstand die Straßen frei. Zwar ist klar, dass wir derzeit nicht in einem faschistischen Staat leben. Dennoch stellen sich einige Fragen, die einen beängstigenden Beigeschmack haben. Wie konnte der sogenannte „Nationalsozialistische Untergrund“ (NSU) über mehrere Jahre Menschen ermorden, obwohl staatliche Organe vom Treiben der Gruppe wussten? Wieso wird eine faschistische Partei wie die NPD durch Steuergelder finanziert, obwohl Mitglieder dieser Partei den „NSU“ mit Waffen versorgten?

Für uns steht fest: Die Nazis standen noch nie auf unserer Seite – der Seite der Arbeiterklasse, der arbeitenden und lernenden Jugend – sondern immer auf der Seite des Kapitals. Deshalb gilt für uns damals wie heute:

Nie wieder Krieg, nie wieder Faschismus!

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